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Teure neue Einheitlichkeit

Die von 2009 an geltende Abgeltungsteuer behandelt alle Kapitalerträge gleich. Die Idee ist gut, doch für Anleger wird es teuer. Denn die neue Einheitlichkeit hat ihren Preis.

Noch nie war die Aufregung über eine Steuerreform so groß wie bei der Abgeltungsteuer. Kaum hatte die Regierung im März 2007 ihren Gesetzentwurf vorgelegt, hagelte es Kritik von allen Seiten. Anlegerschützer kritisieren den Steuersatz von 25 Prozent als zu hoch, die Banken fürchten den bürokratischen Aufwand, und die Finanzindustrie beklagt eklatante Wettbewerbsverzerrungen.

Dabei ist das Anliegen der Reform ein Gutes. Sie macht Schluss mit der unterschiedlichen Besteuerung von Kapitaleinkünften. Bislang unterliegen Zinsen in voller Höhe dem individuellen Steuersatz, Dividenden zur Hälfte, Kursgewinne sind nach einem Jahr Haltedauer sogar steuerfrei. Von 2009 an werden praktisch auf jede Form von Kapitalerträgen einheitlich 25 Prozent fällig. Rechnet man den Solidaritätszuschlag dazu, liegt die Belastung bei 26,4 Prozent, Kirchenangehörige zahlen knapp 28 Prozent. Die Pauschale wird künftig von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Die Kapitalerträge tauchen in der Steuererklärung nicht mehr auf - daher der Name Abgeltungsteuer.

Die Reform markiert eine Zäsur im Steuerrecht. Bislang werden Einkünfte - ganz gleich welcher Art - einheitlich besteuert. Folglich muss derjenige, der ein hohes Gesamteinkommen hat, mehr Steuern auf seine Kapitalerträge zahlen. Sie werden nun mit der Abgeltungsteuer ausgeklammert und pauschal besteuert. Finanzminister Peer Steinbrück hofft, so die Kapitalflucht ins Ausland einzudämmen. Denn wegen der hohen Steuersätze brachten die Vermögenden ihr Geld massenhaft ins Ausland.

Zugleich will Steinbrück das komplizierte Steuerrecht einfacher und damit gerechter machen. Doch die vermeintliche Einfachheit hat ihren Preis. "Die Anleger müssen einige Kröten schlucken", sagt Jochen Busch, Steuerberater bei RP Richter & Partner in München. Denn mit der Steuerreform streiche der Fiskus nahezu alle Schlupflöcher und Ausnahmeregeln. Dickster Brocken aus Sicht der Anleger ist der Wegfall der Spekulationsfrist. Wertpapiere, die von 2009 an angeschafft werden, bringen keine steuerfreien Kursgewinne mehr. Die private Altersvorsorge wird dadurch erheblich erschwert.

Teure neue Einheitlichkeit

Dazu kommt der beschränkte Werbungskostenabzug. Das bislang gültige Prinzip der Nettobesteuerung, also die Belastung der Erträge nach Abzug aller Kosten, wird abgeschafft. Künftig sind sämtliche Aufwendungen mit dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro (zusammen veranlagte Ehepaare 1602 Euro) abgegolten. "Darüber hinausgehende Kosten beispielsweise für Fahrten zu Hauptversammlungen oder die Vermögensverwaltung dürfen nicht mehr angesetzt werden", sagt Busch.

Das neue System macht zwar vieles gleicher, aber nicht alles gleich. So bleiben private Rentenversicherungen außen vor, hier gilt weiterhin das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Auch für Wertpapiere im Betriebsvermögen gelten Sonderregeln. Kompliziert gestaltet sich auch die Verlustverrechnung. Wer Depots bei verschiedenen Banken hat und Verluste auf dem einen mit Gewinnen auf dem anderen ausgleichen will, kann das nur über die Veranlagung tun. Gleiches gilt für die Anrechnung von Spekulationsverlusten, die bis 2009 realisiert werden. Die Ausnahmen führen dazu, dass es in vielen Fällen nicht zu der Vereinfachung kommt.

Bis zum Jahreswechsel haben Anleger noch Zeit, sich auf den Systemwechsel vorzubereiten. Und die sollten sie nutzen. Mit der Altfallregelung gewährt ihnen der Fiskus immerhin einen Gestaltungsspielraum. Die Einheitspauschale auf Kursgewinne gilt - mit Ausnahme von Zertifikaten - nur für Wertpapiere, die ab 2009 angeschafft werden. Wer bis zum Stichtag Aktien oder Fondsanteile kauft, kann die Gewinne noch Jahre später steuerfrei einstreichen. Fonds bieten gegenüber der Direktanlage Vorteile. So kann der Fondsmanager Aktiengewinne ungekürzt anlegen, ohne dass beim Anleger die Steuer anfällt. Bei der Direktanlage dagegen unterliegen Gewinne aus Käufen ab 2009 der Abgeltungsteuer.

von Karsten Röbisch

Aus der FTD vom 13.06.2008
© 2008 Financial Times Deutschland

 

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