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Verlustrecycling im Dreiwegesystem

Banken erfassen Aktienminus und andere Einbußen künftig für die Verlustverrechnung getrennt. Von der Zuordnung hängt ab, welche Gewinne die roten Zahlen ausgleichen.

Verluste an der Börse sind nicht schön, kommen aber immer wieder vor. Und in diesen Fällen ändert sich ab 2009 einiges. Denn die Abgeltungsteuer bringt auch neue Regeln für die Verlustverrechnung. Anleger müssen künftig zwischen mehreren Arten unterscheiden und Aktionäre deutliche Nachteile hinnehmen.

Verluste aus Kapitalvermögen können ab 2009 nicht mehr mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Sie mindern nur noch positive Einkünfte aus Kapitalvermögen. Doch auch innerhalb der Einkunftsart gibt es feste Regeln. Keine Probleme gibt es bei den laufenden Verlusten. Sie können ab 2009 problemlos mit laufenden Erträgen wie Dividenden und Zinsen ausgeglichen werden. Wegen des eingeschränkten Werbungskostenabzugs fallen unter laufende Verluste jedoch nur noch negative Stückzinsen, die beim Kauf eines festverzinslichen Wertpapiers anfallen. Die bis zum Kauf gutgeschriebenen, aber nicht ausgeschütteten Zinsen stellen für den Käufer negative Kapitaleinnahmen dar. Viel bedeutender sind jedoch Verluste aus der Veräußerung von Wertpapieren. Dabei gilt es künftig zwei Fälle zu unterscheiden: Rote Zahlen aus Aktiengeschäften dürfen nur mit entsprechenden Gewinnen verrechnet werden, Verluste aus übrigen Wertpapiergeschäften mit Fonds, Zertifikaten und Optionsscheinen mindern dagegen auch Zinsen, Dividenden und Aktiengewinne. "Mit Blick auf die Verlustverrechnungsmöglichkeiten schneidet die Aktie schlechter ab", sagt Klaus D. Hahne, Steuerberater bei Ernst & Young. Verbucht ein Anleger beispielsweise mit einer Aktie einen Verlust von 1000 Euro, kann er das Minus nur mit einem realisierten Kursplus ausgleichen. Erwirbt er hingegen ein Zertifikat auf die Aktie, lässt sich das Minus auch mit Dividenden bis zu 1000 Euro verrechnen. Der Gesetzgeber begründet die Einschränkung für Aktien damit, dass ihm bei einem Börseneinbruch erhebliche Steuerausfälle drohen würden.

Die Banken sind also künftig gezwungen, für jeden Kunden zwei Verrechnungstöpfe zu bilden, einen für Aktienmiese und einen für die übrigen Wertpapierverluste.

Verbucht der Anleger zunächst ein Minus, sind anschließend alle anrechenbaren Erträge bis zu dieser Höhe steuerfrei. Erst wenn die Verluste getilgt sind und der Freistellungsauftrag ausgeschöpft ist, führt die Bank auf nachfolgende Erträge Abgeltungsteuer ab. Im umgekehrten Fall - wenn während des Jahres zunächst Gewinne und anschließend Verluste entstehen - gestaltet sich die Verrechnung komplizierter. Auf den Gewinn zahlt der Anleger ja zunächst Steuern, die er unter Berücksichtigung späterer Verluste gar nicht zahlen müsste. Gewinnt ein Anleger zum Beispiel mit Zertifikaten 1000 Euro, führt die Bank zunächst 250 Euro an das Finanzamt ab. Nur zwei Wochen später verliert der Anleger mit Zertifikaten 1000 Euro, die Abgabenlast betrüge für beide Geschäfte zusammen demnach null. In den Fällen, in denen hohen Anfangsgewinnen mehrere anrechenbare Verluste folgen, werden die Banken den Steuerabzug wieder rückgängig machen und dem Kunden eine Gutschrift erteilen. Unklar ist noch, in welchen Intervallen die Banken den Ausgleich vornehmen.

Verlustrecycling im Dreiwegesystem

Das kann täglich passieren, monatlich oder quartalsweise. "Das Gesetz enthält dazu keine Regelungen", sagt Hahne. Für Anleger, die regelmäßig an der Börse handeln, ist dieser Punkt jedoch sehr wichtig. Je eher ihnen die zu viel gezahlten Steuern gutgeschrieben werden, desto mehr bleibt ihnen zur Wiederanlage. Die Banken sind auch für die korrekte Zurechnung der roten Zahlen verantwortlich. Verbucht ein Anleger beispielsweise zu Jahresbeginn einen Aktiengewinn von 1000 Euro und hat gleichzeitig noch Verluste aus anderen Wertpapiergeschäften in gleicher Höhe, gleichen sie damit zunächst das allgemeine Verlustkonto aus. Erleidet der Anleger später im Jahr einen Aktienverlust von 1000 Euro, werden die Aktiengewinne vom Jahresanfang rückwirkend mit den neuen Verlusten verrechnet. Der steuerliche Effekt ist gleich, nur steht nun wieder das allgemeine Verlustkonto bei 1000 Euro. Und das kann mit künftigen Zinsen und Dividenden ausgeglichen werden.Nicht ausgeglichene Verluste aus jedem Topf überträgt die Bank automatisch in das nächste Jahr, ein Verlustrücktrag ist nicht möglich. Künftige Gewinne bleiben dann solange steuerfrei, bis der Saldo wieder positiv ist. Besitzt ein Investor jedoch mehrere Depots bei verschiedenen Banken und möchte Verluste auf dem einen mit Gewinnen auf dem anderen ausgleichen, kann er dies auch noch für das Kalenderjahr tun. Die Verrechnung ist aber nur über die Steuererklärung möglich. Gleiches gilt für zusammen veranlagte Ehepaare, die getrennte Depotkonten haben. "Anleger müssen dazu bis zum 15. Dezember eines Jahres eine Verlustbescheinigung bei ihrer Bank beantragen", sagt Hahne. Ein sofortiger Ausgleich der Verluste ist ratsam, doch dazu besteht keine Pflicht. Verzichtet der Anleger auf die Ausstellung einer Verlustbescheinigung, überträgt die Bank den Saldo automatisch in das nächste Jahr.

Veranlagen müssen auch diejenigen, die alte Spekulationsverluste aus der Zeit vor 2009 ansetzen wollen. Diese können noch bis 2013 mit Gewinnen aus Aktien und anderen Wertpapieren verrechnet werden, nicht jedoch mit Zinsen und Dividenden. Voraussetzung ist, dass der Anleger die Altverluste im Jahr der Entstehung in seiner Steuererklärung angegeben hat. Wann der Anleger die Altverluste zum Ausgleich bringt, bleibt ihm überlassen. Sind nach 2013 noch Altverluste übrig, können sie nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften verrechnet werden. Darunter fällt dann noch der Handel mit Immobilien, Gemälden oder Münzen.

 

von Karsten Röbisch

Aus der FTD vom 13.07.2008
© 2008 Financial Times Deutschland

 

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