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Optionsscheine und Abgeltungsteuer

Gewinne aus Optionsscheinen zählen seit dem 1.1.2009 zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Bei Zufluss unterliegen die Gewinne der Abgeltungsteuer. Schon vor dem Jahr 2009 waren Gewinne aus kurz laufenden Optionsscheinen (sogenannte "Warrants") als private Spekulationsgeschäfte steuerpflichtig, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung geringer als 12 Monate war (§ 23 EStG a.F.). Im übrigen gelten die Vorschriften zu den Termingeschäften analog.
Beträgt die Laufzeit der Optionsscheine mehr als ein Jahr und wurden diese vor dem 1.1.2009 angeschafft, so sind Gewinne hieraus auch nach dem Jahr 2009 steuerfrei. Nach der vom Bundesfinanzminister in seinem Schreiben vom 22. 12. 2009 (BStBl. 2010 I S. 94 Rz. 8) vertretenen Auffassung tritt Steuerfreiheit jedoch in zwei Fällen nicht ein:
1. Kann kein Totalverlust eintreten, weil aufgrund der Emissionsbedingungen dem Käufer eine volle oder teilweise Rückzahlung des Kaufpreises oder ein Entgelt für die Kapitalüberlassung während der Laufzeit des Scheins zugesagt wurden (sogenannte "Airbag-warrants), sind Gewinne aus Optionsscheinen in voller Höhe — und nicht nur in Höhe der zugesagten Rückzahlung — als Einkünfte aus Kapitalvermögen steuerpflichtig.
2. Das gleiche gilt, falls diese Absicherung durch eine Kombination von Optionsscheinen erreicht wird (sogenannte "Capped warrants").
Dadurch wird die Steuerfreiheit des Gewinns nach Ablauf der Spekulationsfrist verhindert, weil der Gewinn entsprechend dem Erlass des Bundesfinanzministers nicht zu den Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften zählt, sondern zu den Kapitaleinkünften. Dies ist jedoch dann vorteilhaft, wenn Verluste zu beklagen sind, da diese Verluste nunmehr zeitlich unbegrenzt geltend gemacht und verrechnet werden können.
Verfallen Optionsscheine nach Ablauf der Optionsfrist wertlos, anerkennt die Finanzverwaltung den Verlust aus der gezahlten Optionsprämie nicht (Bundesfinanzhof, Urteil vom 9.10.2008, IX R 69/07, BFH/NV 2009 S. 152). Anders sieht dies das Finanzgericht München. Es hat die Kosten für den Erwerb von Optionsscheinen als vergebliche bzw. fehlgeschlagene Aufwendungen anerkannt (Finanzgericht München, Urteil vom 8.10.2009, 15 K 1050/09, EFG 2010 S. 222). Nach Auffassung des Finanzgerichts ist jedoch Voraussetzung, dass der Anleger die Aufwendungen für den Erwerb der am Ende der Laufzeit verfallenen Kauf- und Verkaufsoptionen in der Absicht investiert habe, im Hinblick auf die von ihm prognostizierten Preis- bzw. Kursentwicklung der Basiswerte einen Gewinn zu erzielen.

Optionsscheine und Abgeltungsteuer

Gegen das Urteil des Finanzgerichts hat das Finanzamt Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Aktenzeichen: IX R 50/09). Betroffene Anleger sollten in gleich oder ähnlich gelagerten Sachverhalten gegen ablehnende Entscheidungen der Finanzämter die statthaften Rechtsbehelfe führen. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass der BFH seine bisherige Rechtsprechung überdenkt und vergebliche Anschaffungskosten zukünftig als realisierte Verluste wertet.
Noch restriktiver gibt sich die Oberfinanzdirektion Münster in einer Verfügung vom 13.07.2009 (DStR 2009, S. 1757). Nach ihrer Auffassung sind auch Verluste aus faktisch wertlosen Optionsscheinen nicht anzuerkennen, falls diese am letzten Handelstag für einen symbolischen Preis (z.B. 0,01 EURO je Optionsschein) an einen Market-Maker veräußert werden. Es soll dann steuerschädlicher Gestaltungsmissbrauch vorliegen. Die Rechtsauffassung der OFD Münster ist geografisch auf die Grenzen von Nordrhein-Westfalen beschränkt. Zudem erscheint es zweifelhaft, ob die Auffassung der OFD mit den gesetzlichen Vorschriften und der hierzu ergangenen höchstrichterlichen Rechtssprechung in Einklang steht. Denn der Bundesfinanzhof fordert für die Anerkennung eines Verlustes aus Termingeschäften lediglich einen Differenzausgleich bzw. ein Veräußerungsgeschäft. Diese Voraussetzungen sind jedoch auch dann erfüllt, wenn der Veräußerungserlös lediglich 0,01 EURO beträgt.
Erworbene Kauf- oder Verkaufsoptionsscheine können während der Optionsfrist an der Börse weiterveräußert werden. Wurden die Optionsscheine nach dem 1.1.2009 erworben, ermittelt sich der Veräußerungsgewinn bzw. Veräußerungsverlust hieraus wie folgt:
Veräußerungserlös abzüglich der Anschaffungskosten (inklusive Nebenkosten) abzüglich der Veräußerungskosten (z.B. Maklercourtage).

16.12.2010
©  www.abgeltungsteuer.ch

 

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