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Zertifikate

Schlechter Schnitt

Garantiepapiere lassen Anleger oft an der durchschnittlichen Performance teilhaben - nicht an der absoluten. Das kostet Rendite.
Was will man mehr? Mit der neuen Garantieanleihe der HypoVereinsbank (HVB) nehmen Anleger zu 125 Prozent an der Performance des Top-Mischfonds Carmignac Patrimoine teil - und das bei Kapitalschutz am Laufzeitende nach gut fünf Jahren. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Das ist es auch. Ausschlaggebend ist nämlich nicht die absolute Wertentwicklung des Fonds, sondern die durchschnittliche - gemessen an 20 vierteljährlichen Terminen. Das Papier der Unicredit-Tochter kann noch bis 14. Juli gezeichnet werden (ISIN DE000HV5B7T4).
Nicht nur die HVB, auch andere Emittenten wie die Landesbank Berlin und die Citigroup griffen zuletzt für einzelne Zertifikate auf das in Fachkreisen Asianing genannte Verfahren zurück. "Für Anleger, die von einem mehr oder weniger stetig steigenden Kurs des Basiswerts ausgehen, ist die Durchschnittsbildung nachteilig", sagt Sasa Perovic, Leiter der Zertifikateanalyse bei der Berliner Ratingagentur Scope. "Die hohen Kurse am Laufzeitende werden von den anfangs niedrigeren Werten gedrückt."
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das: Ein Index steigt in drei Jahren um jeweils 20 Punkte von 100 auf 160 Zähler. Ohne Durchschnittsbildung würden Anleger also 60 Prozent Gewinn einstreichen. Bei jährlicher Durchschnittsbildung dagegen beträgt das Plus zum Startwert am ersten Stichtag 20 Prozent, am zweiten Datum 40 Prozent und am dritten Stichtag 60 Prozent. Im Schnitt liegt der Gewinn bei 40 Prozent, also werden dem Anleger nur 40 statt 60 Prozent gutgeschrieben.
Im Vergleich zur direkten Partizipation bringt das Verfahren nur dann einen Vorteil, wenn der Basiswert am Ende der Laufzeit einbricht. "Von diesem Szenario dürften jedoch die wenigsten Anleger ausgehen", sagt Perovic.
"Es gibt zwei Gründe, die aus Sicht des Anbieters für die Durchschnittsbildung sprechen", sagt Yann Stoffel, selbstständiger Berater für Banken- und Finanzvertriebe. "Zum einen sind die entsprechenden Optionen günstiger, zum anderen erleichtert das Verfahren bei wenig liquiden Basiswerten die Absicherungsgeschäfte, die der Emittent im Hintergrund tätigt."
Besonders das Kostenargument ist derzeit wichtig. Ein Garantiezertifikat besteht aus zwei Komponenten: Das meiste Geld steckt in einer Nullkuponanleihe, die dafür sorgt, dass Anleger am Laufzeitende des Zertifikats zumindest ihren Einsatz zurückbekommen. Für das übrige Geld kauft der Anbieter eine Option, die für die Partizipation an steigenden Kursen verantwortlich ist. Bei niedrigen Zinsen wie derzeit wirft die Nullkuponanleihe nur wenig Ertrag ab, und für die Option bleibt kaum noch Kapital übrig. Eine hohe Partizipationsrate können die Anbieter daher oft nur dank der billigen Asianing-Option gewähren.

Schlechter Schnitt

Stoffel hat für das Fachmagazin "Der Zertifikateberater" ausgerechnet, wie sich das Asianing auf die Rendite auswirkt, und dafür den Euro Stoxx 50 seit 1987 analysiert. Ein fünfjähriges Investment brachte demnach im Schnitt jährlich 7,9 Prozent ein. Bei vierteljährlicher Durchschnittsbildung wäre die Jahresrendite dagegen auf fünf Prozent gesunken. Doch das Verfahren ist für Anleger keineswegs immer von Nachteil: "In rund 27 Prozent der Fälle hätte ein Garantiezertifikat mit Durchschnittsbildung besser abgeschnitten als ohne", sagt Stoffel.
Frank Weingarts, Experte für Wertpapieranlagelösungen der HVB, begründet den Einsatz des Verfahrens: "Für den Preis der Option, die Anlegern 125 Prozent Partizipation an der durchschnittlichen Performance des Carmignac Patrimoine ermöglicht, wäre nur eine Partizipation von etwa 55 Prozent an der absoluten Wertentwicklung möglich gewesen." Auch Weingarts hat zurückgerechnet und dafür den Patrimoine in Fünfjahreszeiträumen seit 1999 untersucht. In 80 Prozent der Fälle wäre ein Anleger mit der 1,25-fachen Durchschnittsentwicklung demnach besser gefahren als mit dem 0,55-Fachen der absoluten Wertentwicklung.
Am allerbesten wäre freilich ein Direktinvestment in den Carmignac Patrimoine gewesen. Den Kapitalschutz brauchen bei diesem bislang recht stabilen Mischfonds auf Sicht von fünf Jahren wohl nur sehr konservative Anleger.

Test
Bei langfristig steigenden Kursen schrumpft die Rendite, wenn die durchschnittliche Wertentwicklung zugrunde gelegt wird. Eindrucksvoll belegt das die Rückrechnung mit dem Euro Stoxx 50. Nur bei einem Kurssturz zahlt sich das Verfahren aus. Allerdings sind Optionen, die auf Durchschnittsbildung beruhen, für die Zertifikateanbieter sehr preiswert zu haben. Sie können den Anlegern damit eine höhere Partizipationsrate bieten als ohne Durchschnittsbildung.

Von Bernd Mikosch
07.07.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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