WM-Zocken am Kap
Sportzertifikate zur Fußballweltmeisterschaft eröffnen hohe Gewinnchancen. Aber auch der Totalverlust ist möglich. Laut und heiß wird es am 11. Juni in Johannesburg zugehen, wenn Gastgeber Südafrika im Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft auf die Auswahl Mexikos trifft. Die südafrikanischen Fans sind bekannt dafür, mit Rasseln, Trommeln und der Vuvuzela - einer Art Trompete aus Plastik - ein Höllenspektakel zu veranstalten, um ihre Mannschaft anzufeuern. Mit dem WM-Anpfiff dürfte auch die Pulsfrequenz der Wettprofis, die mit Fußballzertifikaten auf den Titelgewinn eines der 32 Teilnehmerländer spekuliert haben, nach oben gehen. Angeboten werden die Wetten im Internet unter der Adresse sportzertifikate.de. Auf jedes WM-Team gibt es ein Zertifikat. Die Papiere werden von Extra Sportwetten über Österreich emittiert und können am regulierten Markt der Berliner Börse wie ganz normale Zertifikate erworben werden. Einfaches Prinzip Das Prinzip ist einfach. Das Zertifikat auf den Top-Favoriten Spanien zum Beispiel kostet 19,81 Euro. Holen die Iberer nach der EM 2008 auch den WM-Titel, erhalten Investoren nach dem Finale 100 Euro je Zertifikat zurück. Das entspricht einer Rendite von mehr als 400 Prozent. Auf Rang zwei der Favoritenliste folgt Rekordweltmeister Brasilien mit einem Kurs von 16,94 Euro. Deutschlandfans müssen für ihr Team 7,24 Euro berappen. Gewinnen die Deutschen den Titel, liegt die Rendite bei 1281 Prozent. Das klingt verlockend, allerdings ist das Risiko bei den Sportzertifikaten enorm. Denn scheidet das Team vorzeitig aus, entsteht ein Totalverlust. Wettbegeisterte sollten daher nur geringe Beträge investieren. Ausgewählte Sportzertifikate auf den WM-Titel Sinnvoller als auf den Gesamtsieg kann es sein, auf ein Weiterkommen von Teams in die nächste Runde zu setzen. Anleger sollten daher vor dem Kauf der Papiere den Spielplan studieren. Bei einem Triumph schießt der Kurs der Siegerelf im Regelfall nach oben. Dann haben Anleger die Möglichkeit, Gewinne zu realisieren. Denn der Vorteil der Zertifikate gegenüber Sportwetten besteht darin, dass Anleger die Papiere ständig kaufen und verkaufen können. Dafür sind die Quoten schlechter als bei Wettanbietern wie Oddset, zudem wird auf die Erträge Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent fällig. |

Da ab dem Achtelfinale die K.o.-Regel gilt, bedeutet eine Niederlage den Verlust des Kapitals. Das ist in der Vorrunde noch anders. Erst nach drei Matches ist meist entschieden, wer weiterkommt und wer nicht. Bis dahin empfiehlt sich eine aktive Tradingstrategie, die aber kostet Geld. Denn bei Sportzertifikaten fällt neben den Ordergebühren ein satter Spread an. Hinzu kommt, dass der Handel wenig liquide ist. Der Rücknahmekurs liegt bis zu 20 Prozent unter dem Ausgabepreis. Eine mögliche Strategie ist es, in der Vorrunde aussichtsreiche Außenseiter zu kaufen. Dazu zählt die Schweiz. Das Papier kostet 0,36 Euro. "Werden die Eidgenossen in ihrer Gruppe mit Spanien, Chile und Honduras mindestens Zweiter und gelangen unter die letzten 16, sind bestimmt 100 Prozent Ertrag drin", meint Matthias Baller, Vorstand von Extra Sportwetten. Auch Algerien könnte bei der WM auf dem Heimatkontinent überraschen. Das Papier kostet 0,14 Euro. Konkurrenten in der Gruppe sind England, Slowenien und die USA. Erwägenswert ist ein Mix aus Zertifikaten. Dazu bieten sich beispielsweise aus der Gruppe B Nigeria (ISIN AT0000A0HPT3), Südkorea (AT0000A0HPU1) und Griechenland (AT0000A0HPV9) an, die zusammen 1,37 Euro kosten. Mindestens eines der drei Teams erreicht neben dem Gruppenfavoriten Argentinien das Achtelfinale. Chancen verspricht auch das Papier auf Südafrika, das zu 0,55 Euro notiert. Mit Mexiko, Uruguay und Frankreich hat der WM-Gastgeber zwar schwere Gruppengegner. Die Statistik spricht aber für den Veranstalter: Bei keiner WM schied das Gastgeberland schon in Runde eins aus. Und so werden beim Eröffnungsspiel wohl nicht nur die einheimischen Fußballfans mit ihren Vuvuzelas das Kap-Team gegen Mexiko anfeuern, sondern vermutlich auch so mancher Zertifikatezocker.
Von Emmeran Eder 13.05.2010 © 2010 Financial Times Deutschland |