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Zertifikate

Das große Zertifikate-Zaudern

Anleger stehen Zertifikaten seit der Lehman-Pleite vorsichtiger gegenüber. Diese Skepsis bekommen auch Vermögensverwalter zu spüren. Dennoch wollen die meisten auf den Einsatz von strukturierten Produkten nicht ganz verzichten.
Die Investmentbank Lehman Brothers hat etwas von einem Springteufel. Fast zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass das Haus Pleite ging, seine Zertifikate deshalb wertlos wurden und viele Anleger die Risiken der Papiere erkannten. Doch immer noch taucht Lehman regelmäßig in den Medien auf - meist geht es dabei um Schadenersatzforderungen von Anlegern, die durch den Ausfall der Zertifikate teils viel Geld verloren haben.
Vom Lehman-Debakel und weiteren Ausfällen im Zuge der Finanzkrise hat sich der Markt für strukturierte Produkte längst noch nicht erholt. Zwar stieg das Volumen im deutschen Zertifikate-Markt nach Angaben des Deutschen Derivate-Verbands in den vergangenen zwölf Monaten um rund 25 Mrd. Euro auf rund 104 Mrd. Euro. Aber die Anleger sind vorsichtiger geworden. Sie wissen heute mehr über die Risiken strukturierter Finanzprodukte als vor der Krise.
Das bekommen auch Vermögensverwalter zu spüren. "Zwischenzeitlich haben wir bei unseren Kunden ein deutlich rückläufiges Interesse an strukturierten Anlageprodukten festgestellt", sagt Dirk Guber, Leiter der Vermögensverwaltung und Portfoliostrategie bei HSBC Trinkaus. Manche Kunden warfen Zertifikate sogar ganz aus ihren Portfolios. Mittlerweile zeigen die Anleger wieder mehr Interesse an Zertifikaten, sagt Guber. Allerdings vor allem an konservativen Produktvarianten wie Bonus- und Discountzertifikaten. Diese Papiere bringen auch dann Rendite, wenn die Märkte seitwärts laufen - was sie nach Analysteneinschätzungen in den kommenden Monaten tun werden.
Anleger verlangen mehr Informationen
Viele Anleger wollen heute nicht nur konservative Produkte im Portfolio, sondern wollen auch genau wissen, wie diese funktionieren. "Wir haben in unserem Kundenkreis eine verstärkte Sensibilität im Umgang mit solchen Investments festgestellt", sagt Guber. Deshalb erklärt er seinen Kunden nun besonders gründlich, wie strukturierte Papiere funktionieren und wie sich Marktschwankungen auf sie auswirken können. Andere große Vermögensverwalter berichten Ähnliches. "Der Trend geht klar in Richtung konservative Strukturen", sagt Lars Fahnenbrock, Leiter Investment Consulting & Solutions der Credit Suisse. Bei Produkten mit teilweisem Schutz gegen Kursverluste fragten die Anleger vor allem transparente Zertifikate mit überschaubarer Laufzeit nach.

Das große Zertifikate-Zaudern

Deshalb setzt auch die Schweizer Großbank mittlerweile hauptsächlich auf Bonus- und Discount-Zertifikate. "Damit reagieren wir auf das veränderte Nachfrageverhalten", sagt Fahnenbrock.
Kritik an Banken
Große Vermögensverwalter wie Credit Suisse emittieren allerdings oft selbst Zertifikate. Und können deshalb schnell in den Verdacht geraten, sie besonders offensiv einzusetzen, nicht unbedingt nur zum Wohl der Anleger. Ein Grund für unabhängige Vermögensverwalter, sich als Krisengewinner zu sehen. "Zertifikate werden vor allem von Banken eingesetzt", sagt Günter Schlösser, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Portfolio Concept und Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter. "Die Banken emittieren sie schließlich auch." Zwar investiert auch er einen Teil des verwalteten Vermögens in Zertifikate, allerdings nur rund fünf Prozent. Höhere Quoten, wie er sie bei Vermögensverwaltern großer Banken vermutet, hält Schlösser für wenig sinnvoll.
Einige unabhängige Vermögensverwalter geißeln gar den Einsatz von Zertifikaten generell. "Die meisten Anleger und auch Berater, die Zertifikate im Portfolio haben, wissen überhaupt nicht, wie sie funktionieren und was sie ihnen bringen sollen", sagt Oliver Hagedorn, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Avesco. Er kann sich die Pauschalverurteilung erlauben - Avesco setzt grundsätzlich keine Zertifikate ein. Auch nach Hagedorns Ansicht investieren in erster Linie bankeneigene Vermögensverwaltungen in Zertifikate, und zwar weil sie besonders viel daran verdienen. "Für Banken sind Zertifikate margenstarke Produkte."

Von Julia Groth
06.05.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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