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Zertifikate

Trau, schau, wem

Das Vertrauen der Anleger in den Derivatemarkt ist zurückgekehrt. Die Kreditwürdigkeit der Emittenten hat sich verbessert. Trotzdem sind Anleger weiterhin gut beraten, vor dem Kauf von Zertifikaten und anderen derivativen Produkten genau hinzuschauen, welcher Bank sie ihr Geld anvertrauen. 
Zur Erinnerung: Mit dem Lehman-Debakel im September 2008 waren die von der US-Bank emittierten Zertifikate mit einem Schlag so gut wie wertlos geworden. Der Fall hatte zudem gezeigt, dass die Kreditratings großer Agenturen wie etwa Standard & Poor's es nicht vermochten, rechtzeitig Warnsignale einer möglichen Insolvenz der Bank zu senden. Als eine Lehre aus der Lehman-Pleite hat der Deutsche Derivate Verband (DDV) die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) der Zertifikateanbieter als Bonitätskriterien etabliert. Anhand dieser Kreditderivate lässt sich tagesaktuell ablesen, wie kreditwürdig eine Bank vom Markt eingeschätzt wird.
Konkret gibt der CDS-Wert die Kosten einer Kreditausfallversicherung für Anleihen des Emittenten an. So bedeutet ein CDS-Wert von 100 Basispunkten, dass die Prämie, um einen Kredit zu versichern, ein Prozent pro Jahr kostet. Will also ein Investor einen Kredit von 100 Mio. Euro absichern, den er der Bank in Form einer Anleihe gibt, zahlt er dafür 1 Mio. Euro. Folglich gilt: Je niedriger der CDS-Wert, desto kreditwürdiger ist die Bank. Allerdings können sich die CDS täglich ändern. Deshalb ist es angebracht, diese regelmäßig zu überprüfen.
Dazu rät auch der leitende Analyst von Scope Analysis, Sasa Perovic: "CDS sind sehr gute Indikatoren, die einen erkenntnisreichen Aufschluss über die Bonität der Emittenten geben." Anleger sollten sich nicht nur die Renditechancen von Zertifikaten, sondern stets auch die Bonität der Emittenten ansehen.
Zugleich verweist er darauf, dass die CDS-Zahlen nicht das Maß aller Dinge sind: "Ein CDS von ein und derselben Bank kann in turbulenten Zeiten heute 50 und in zwei Wochen bereits 200 Basispunkte betragen." Weiter könnten zwei Banken mit dem gleichen CDS-Wert unterschiedliche Tendenzen aufweisen. "Wenn zwei Banken heute beide einen CDS-Wert von 50 haben, die eine aber gestern noch 15 Punkte hatte, sagt das schon etwas über die jüngste Bonitätsentwicklung aus. Außerdem ist die Relation zur Gesamtgruppe der Emittenten wichtig", so Perovic.

Trau, schau, wem

 
Was empfiehlt er Anlegern, die Papiere von Emittenten im Depot halten, deren CDS nach oben schnellen? "Das hängt von der Risikoneigung des Anlegers ab. Es besteht immer die Option, die Papiere zu verkaufen." Allerdings glaubt Perovic, dass kaum ein Staat es noch einmal zulassen werde, eine große Bank so schnell pleite gehen zu lassen, wie das bei Lehman der Fall war.
Um die CDS-Zahlen der Banken hinsichtlich ihres Risikoprofils einzuordnen, veröffentlicht der DDV den CDS-Satz der Bundesrepublik, die als bonitätsstarke Schuldnerin gilt und derzeit bei rund 35 Basispunkten liegt. Zum Vergleich: Das durch die Schuldenkrise geplagte Griechenland hat einen aktuellen CDS von rund 470 Punkten. Andererseits müssen höhere Risiken am Kapitalmarkt besser vergütet werden. Das wiederum bietet risikobewussten Anlegern Chancen. "Die Risikoaufschläge sind bei Zertifikaten eingepreist", erläutert Experte Perovic. Zertifikate mit gleichen Ausstattungsmerkmalen werden also von Emittenten mit niedriger Bonität in der Regel günstiger angeboten als von Emittenten mit höherer Kreditwürdigkeit. Ablesen lässt sich das an den Renditeunterschieden. So bietet beispielsweise Morgan Stanley (CDS: 145 Basispunkte) ein Discountzertifikat auf den Dax mit einem Cap von 4200 Punkten zu einem von Scope errechneten jährlichen trendneutralen Renditeniveau von 5,69 Prozent an. Ein Discountpapier von BNP Paribas (CDS: 80 Basispunkte) mit der gleichen Ausstattung verspricht hingegen nur eine jährliche trendneutrale Rendite von 2,70 Prozent.
Jetzt ist es Sache des Anlegers, so Perovic, sich zu entscheiden: Entweder er tauscht die höheren Renditechancen gegen eine schwächere Bonität des Emittenten ein. Oder er ist bereit, bei der Rendite Abstriche zu machen und dafür einer Bank mit einer besseren Kreditwürdigkeit sein Geld zu leihen.

Von Gian Hessami
21.04.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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