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Zertifikate

Banken starten eigenes Rating für Zertifikate

Für viele Anleger ist der Markt von Optionensscheinen und Zertifikaten kaum zu überschauen. Nun soll ein neues Bewertungssystem die Transparenz im Derivatemarkt erhöhen. Zunächst startet das Rating mit sieben Anbietern. Eine gute Wertungsnote sagt jedoch nichts über die Qualität einer Anlage-Idee.

Nach langer Vorbereitung hat die European Derivatives Group (EDG) in dieser Woche den mehrfach angekündigten Startschuss für ein neues Rating zur Bewertung von Zertifikaten und Optionsscheinen gegeben. Das von den teilnehmenden Produktanbietern finanzierte Verfahren basiert auf einer basiswert- und strukturunabhängigen Qualitätsbewertung bei der auch Faktoren wie die Ausfallwahrscheinlichkeit oder die Handelsqualität der Emittenten mit einfließen. Dies soll dazu beitragen, die Vergleichbarkeit der Produkte zu verbessern und Anlegern somit eine verlässlichere Hilfe bei der Produktauswahl zu liefern, als sie etwa ein alleiniger Blick auf Renditekennzahlen ermöglicht.

Um dies zu erreichen werden die Produkte unter anderem auf Basis realer Optionspreise und marktüblicher Schätzungen zu Preisvariablen wie der Zins- oder Dividendenentwicklung nachgebildet und so ein theoretischer Preis ermittelt, der dann den realen Offerten der Banken gegenübergestellt wird. Dabei fließen dann erstmals auch emittentenabhängige Faktoren wie dessen Bonität mit ein, was dazu führen kann, dass einem scheinbar „renditeschwachen" Zertifikat eine höhere Qualität zugeordnet wird, als einem optisch attraktiveren Papier. Hintergrund ist, dass Zertifikate in der Rechtsform der Schuldverschreibung angeboten werden, so dass Anleger immer auch ein Ausfallrisiko des Emittenten tragen. In den Produktpreisen spiegelt sich dies in der Praxis aber oft nicht oder nur eingeschränkt wieder. Dies könnte sich durch das neue Ratingverfahren ändern, da die Nachberechnung der EDG solche Ungleichgewichte offen legt und aufzeigt, ob die Emittentenpreise marktgerecht sind.

Die Kostenfrage ist aber nicht der einzige Aspekt, der in dem zweistufigen EDG-Rating berücksichtigt wird. Geprüft werden für den ersten Teil der Bewertung auch Ausführungsgeschwindigkeit und Preisstellung im Handel oder das Informationsangebot im Internet, die aber mit einem geringeren Anteil in die Bewertung eingehen. Alle Punkte zusammen genommen ergeben einen ersten Teil der Bewertung, der dann in einem zweiten Schritt verschiedenen Anlegertypen zugeordnet wird, um so das Gesamturteil zu fällen. Dieses besteht somit immer aus zwei Angaben. Die Risikostufe (sicherheitsorientiert bis spekulativ) gibt an für welchen Anlegertyp ein bestimmtes Produkt grundsätzlich in Betracht kommt. Und die Sternewertung (eins bis fünf) zeigt, ob das Zertifikat unter Einbeziehung der oben genannten Punkte zu den besten seiner Art gehört. Der Abgleich erfolgt dabei in einer eng definierten Gruppe von Zertifikaten mit gleichen oder ähnlichen Ausstattungsmerkmalen, sowie gleichem Basiswert und identischer Struktur.

Banken starten eigenes Rating für Zertifikate

 

Eine gute Wertungsnote sagt somit nichts darüber aus, ob eine bestimmte Anlage-Idee gut oder schlecht ist, sie gibt nur einen Anhaltungspunkt, ob das entsprechende Zertifikat zur Umsetzung der Anlageidee geeignet ist oder ob nicht. Die Entscheidung darüber ob in einen bestimmten Markt oder eine bestimmte Aktie investiert wird, bleibt damit ebenso Entscheidung des Anlegers, wie die Wahl des jeweils verwendeten Zertifikatetyps.

Damit unterscheidet sich der Ansatz der EDG maßgeblich von dem ebenfalls auf einer Sternewertung aufbauenden Rating, das von der Agentur Scope emittentenunabhängig umgesetzt wird. Der Scope-Ansatz versucht auf Basis historischer Kursdaten auch die Wahrscheinlichkeit für die Erträge einer Anlage zu ermitteln. Aussagen in dieser Richtung sind bei der EDG explizit ausgenommen. „Wir können keine Renditeprognosen geben und wir können auch nicht sagen, ob es besser ist in den Dax oder in BMW zu investieren", sagt Lutz Johanning, Professor für empirische Kapitalmarktforschung an der WHU Otto-Beisheim School und maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung des Ratingverfahrens.

Fazit: Mehr Transparenz kann dem Zertifikatemarkt sicher nicht schaden. Ob das neue Rating tatsächlich dazu beitragen wird, ist aber keineswegs sicher. Hierzu bedarf es nicht zuletzt einer besseren Nachvollziehbarkeit der Wertungsergebnisse. Die ist bei dem neuen Rating kaum gegeben, sodass Anleger nur raten können, welche Kleinigkeit am Ende möglicherweise den Ausschlag für eine Top-Bewertung im Vergleich zu sonst gleichen guten Emittenten gegeben hat.

Von Ralf Andress

Quelle: WELT ONLINE

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