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Zertifikate

Neues Leben im Derivatemarkt

Viele Emittenten locken die Anleger mit einem breiteren Angebot. Natürlich verraten sie nicht, was sie daran verdienen. Doch mehr Wettbewerb macht Hoffnung auf niedrigere Preise.
Wunderbare Zeiten scheinen für Anleger anzubrechen: Wer sein Geld nicht gerade im Festgeld oder in Bundesschatzbriefen parken will, wird am Zertifikatemarkt mit verlockenden Angeboten umgarnt. Und es sollen noch viel mehr werden - Angebote wie Anbieter. Viele Banken bauen derzeit ihre Produktpalette aus. Expandieren wollen nahezu alle Emittenten, offiziell bestätigt haben es bereits Barclays Capital, BNP Paribas, DZ Bank, LBBW, die künftige Macquarie Oppenheim, Morgan Stanley, UBS, Vontobel und West LB. Zudem drängen aus der Schweiz EFG und Züricher Kantonalbank als neue Anbieter an den deutschen Markt.
Das ist erstaunlich, da vor allem der deutsche Markt international als der am härtesten umkämpfte gilt. Experten rechnen mit einem verstärkten Konkurrenz- und damit auch Preiskampf unter den Anbietern. Dennoch: Ein Teil der Emittenten will die breite Angebotspalette ausbauen, andere konzentrieren sich mehr auf Nischenprodukte und Trendthemen wie Rohstoffe und Nachhaltigkeit.
Groß im Kommen sind Aktienanleihen. Ebenso wie bei Bonus- oder Discountzertifikaten profitieren Anleger damit von Marktschwankungen und können selbst mit defensiv ausgerichteten Papieren weitaus höhere Erträge erzielen als mit den üblichen Tages- oder Festgeldangeboten. Doch ein genauer Blick auf die Konstruktion lohnt sich. Discountzertifikate und Aktienanleihen im Vergleich:
"Aktienanleihen sind wirtschaftlich das gleiche Gut wie Discountzertifikate", erklärt Gregoire Toublanc, Derivateexperte der BNP Paribas in Frankfurt. Anleger spekulieren mit beiden Angeboten darauf, dass die Kurse nicht drastisch fallen. Bei der Aktienanleihe werden Zinsen ausgezahlt, und am Ende werden die Aktien geliefert oder der Gegenwert in bar ausgezahlt, wenn der Kurs des Basiswerts am Laufzeitende unter eine bestimmte Marke fällt. Notiert er darüber, gibt es den Nennwert der Anleihe zurück. Für die Bewertung der Rückzahlung gilt ein Stichtag kurz vor dem Rückzahlungstermin. Im Gegensatz dazu gehen Anleger beim Discountzertifikat in punkto Zinszahlung leer aus. Sie erhalten dafür einen Rabatt auf den Kurs des Basiswerts.
"Bei Aktienanleihen sind die Margen höher als bei Discountzertifikaten", sagt Toublanc und nennt dafür auch Gründe: "Es gibt mehr Konkurrenz bei Discountzertifikaten und der Markt für Aktienanleihen ist in Deutschland jünger". Zudem stellt er ein anderes Verhalten der Investoren fest: "Die Papiere werden von den Investoren nicht mehr gekauft, wenn sich der Kurs vom Nennwert entfernt.

Neues Leben im Derivatemarkt

Auch kurze Restlaufzeiten wie bei Discountzertifikaten üblich, werden von den Anlegern nicht nachgefragt, weshalb Aktienanleihen häufiger emittiert werden müssen." Toublanc hat den Markt gründlich analysiert, da die Emittentin in diesen Bereich einsteigen will. "Wir werden im März ebenfalls Aktienanleihen auf den Markt bringen." Toublanc ist sich sicher, dass die Margen auf Dauer sinken, da Aktienanleihen gerade erst aus der Nische kämen.
Markt für Aktienanleihen wächst - Margen der Emittenten sinken
Doch wie viel verdienen die Emittenten mit den Papieren? "Grundsätzlich ist es kaum möglich, eine genaue Aussage über die Höhe der Marge zu treffen, da je nach Basiswert und Annahmen zu Dividenden, Volatilitäten oder auch Modellen jeweils unterschiedliche Ergebnisse resultieren und insofern ein objektiv richtiger Preis nicht bestimmbar ist. Möglich ist jedoch ein relativer Vergleich der Preisstellungen", erklärt Lutz Johanning, Professor für empirische Kapitalmarktforschung an der WHU Vallendar. Er preist mit seinem Team für das Zertifikaterating der EDG AG den Großteil aller in Deutschland ausstehenden Zertifikate nach und hat festgestellt, dass in vielen Standardprodukten, wie zum Beispiel Discountzertifikaten, für den Emittenten kaum Marge drin ist. "Hier wäre ein Nachbauen der Produkte ohne die Handelsmöglichkeiten der Emittenten sicherlich deutlich teurer", sagt Johanning.
Wie auch in anderen Märkten sinken die Margen mit wachsendem Angebot. Wunderbare Zeiten brechen für Anleger daher vor allem in den Segmenten an, in denen ein Massenmarkt entsteht oder bereits existiert. Was bei Index-, Bonus- und Discountzertifikaten oder Hebelpapieren meist schon der Fall ist, dürfte bald auch bei Aktienanleihen eintreten. Allerdings sollten Anleger beachten, dass bei Papieren auf weniger liquide Basiswerte oder bei komplexen Strukturen in der Regel höhere Margen eingepreist werden. Zum einen lassen sich die Emittenten das erhöhte Risiko bezahlen, zum anderen fehlt der Konkurrenzdruck. Insofern ist ein breites Angebot immer ein Vorteil - auch wenn die Flut an Emissionen als schwer überschaubar gilt.

Von Antonie Klotz
FTD.de, 22.02.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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