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Zertifikate

Derivate - Nach guter alter Sitte

Die Finanzmarktkrise hat die Zertifikate- Emittenten zum Umdenken gezwungen. Jetzt versuchen sie es wieder mit einfachen und transparenten Produkten.
Der Markt für Zertifikate hat bewegte Zeiten hinter sich. Die Pleite von Lehman Brothers vor gut einem Jahr hat die Branche zutiefst erschüttert. Die Anbieter sahen sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert:
Es mangele an Transparenz, viele Produkte seien zu komplex und die Risiken häufig nicht erkennbar - lauteten einige Kritikpunkte. Infolge der Ereignisse brach sowohl das Anlage- als auch das Handelsvolumen am deutschen Zertifikatemarkt bedrohlich ein. Umso interessanter ist die Frage, ob und wie die Anbieter auf die Krise und die Kritik reagiert haben.
Gute Ansätze in Sachen Transparenz sieht Björn Döhrer, Zertifikate-Experte und Partner bei der European Derivatives Group (EDG): "Die Emittenten und der Branchenverband haben seit dem Lehman-GAU einige Initiativen auf den Weg gebracht, um Anleger umfassend zu informieren." Als Beispiel nennt er die Veröffentlichung der Credit-Spreads der Banken auf der Internetsite des Deutschen Derivate Verbands (DDV).
Anleger können die Risiken von Zertifikaten nur schlecht einschätzen
Mit Credit-Spreads können Anleger die Emittentenbonität und damit indirekt auch das Ausfallrisiko von Zertifikaten beurteilen. Außerdem, so Döhrer, würden sich immer mehr Anbieter Zertifikateratings anschließen, was den nicht immer einfachen Auswahlprozess bei strukturierten Produkten erleichtere. Trotzdem scheint zahlreichen Anlegern auch weiterhin das Verständnis für Zertifikate zu fehlen.
Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Swiss Banking Institute der Universität Zürich. "Privatanleger, aber auch Anlageberater haben Mühe, die Risiken verschiedener Zertifikatekategorien richtig einzuschätzen und auseinander zuhalten", sagt Rudolf Volkart, emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Swiss Banking Institute. Seine Forderung:
"Ein Anleger sollte sich nichts in spürbarem Umfang ins Portfolio legen, was er nicht versteht." So gesehen hatte die Finanzmarktkrise durchaus auch etwas Gutes: Komplexe Produkte mit verschachtelten Strukturen sind mangels Nachfrage rar geworden oder sogar ganz verschwunden.
Stattdessen legen die Emittenten nach der Lehman-Pleite den Fokus wieder verstärkt auf die Zertifikateklassiker wie Bonus- und Discountpapiere. Diese Produkte sind relativ leicht verständlich und verfügen über ein klar definiertes Chance-Risiko-Profil. Außerdem wurde hier dem Wunsch der Anleger nach kürzeren und damit überschaubareren Laufzeiten Rechnung getragen.
Bonuszertifikate wurden mit zusätzlichen Schutzmechanismen versehen
Einige Emittenten gingen mit Blick auf das gestiegene Sicherheitsbedürfnis sogar noch einen Schritt weiter. Sie versahen Bonuszertifikate mit zusätzlichen Schutzmechanismen, um das Risiko einer Verletzung der Barriere zu reduzieren. Während der Krise war es bei Bonuszertifikaten reihenweise zu Schwellenbrüchen gekommen.
So hat die Commerzbank unter dem Namen "Medio" eine Bonusvariante entwickelt, bei der nicht der laufende Kurs des Basiswerts, sondern ein aus monatlichen Messungen ermittelter Durchschnittskurs darüber entscheidet, ob ein Schwellenereignis eingetreten ist.
Eine weitere Innovation in diesem Bereich sind die Reservoir-Bonuszertifikate von Goldman Sachs. Bei dieser Variante darf der Basiswert die Barriere kurzzeitig unterschreiten, ohne dass dies sofort negative Konsequenzen hätte.

Derivate - Nach guter alter Sitte

Erst wenn ein bestimmtes Absicherungsreservoir aufgebraucht ist, wäre auch hier der Bonusanspruch verloren. Die Risikobereitschaft der Investoren ist wieder gestiegen. Ob sich die beiden Neuheiten am Markt durchsetzen werden, muss sich noch zeigen. Denn mittlerweile haben sich die Aktienmärkte deutlich von ihren Tiefständen erholt und die Risikobereitschaft der Investoren ist wieder gestiegen. So überrascht es nicht, dass einige schon tot geglaubte Produkttypen von den Zertifikatehäusern unlängst zu neuem Leben erweckt werden.
So ist zum Beispiel die Emissionstätigkeit im Bereich der Multi-Bonus- und Expresszertifikate zuletzt wieder deutlich gestiegen. Finanzprofi Döhrer hält das für legitim: "Grundsätzlich gibt es keine per se schlechten oder guten Strukturen. Auch eine komplexe Struktur kann bei fairen Bedingungen perfekt zu einem Anlegertyp passen."
Eine Innovation, die unmittelbar auf den Lehman-Crash zurückzuführen ist, sind besicherte Zertifikate. Bei diesen Produkten wird das Emittentenrisiko ausgeschlossen, indem bei einem Treuhänder hochwertige Sicherheiten wie Staatsanleihen hinterlegt werden. Im Fall einer Insolvenz kommen diese Sicherheiten dem Inhaber zugute. Allerdings kostet dieser Schutz Geld, was sich in höheren Kosten beziehungsweise geringeren Renditechancen widerspiegelt. Der Trend liegt bei der Transparenz
Die schlechteren Konditionen mögen ein Aspekt sein, warum sich besicherte Zertifikate bisher nicht am Markt durchsetzen konnten. Ein anderer Grund dürfte darin liegen, dass viele Anleger eine Besicherung mit Blick auf die staatlichen Garantien im Bankensektor nicht mehr für nötig erachten.
Diese Beispiele zeigen, dass die Zertifikatebranche bemüht ist, sich dem veränderten Umfeld durch entsprechende Produktentwicklungen anzupassen. Auch in puncto Transparenz hat sich seit dem Ausbruch der Krise einiges getan, wenngleich hier sicherlich noch Handlungsbedarf besteht. Besonders begrüßenswert ist die Rückbesinnung auf eine alte Stärke.
Diese liegt darin, mit einfachen, verständlichen Strukturen maßgeschneiderte Anlagelösungen zu schaffen. Denn nur was den Kunden nützt, schafft auch den Emittenten einen dauerhaften Vorteil. Sowohl Björn Döhrer als auch Rudolf Volkart gehen davon aus, dass klassische Produkttypen mit klarem Chance-Risiko-Profil wie Aktienanleihen oder Bonus- und Discountzertifikate auch in Zukunft besonders gute Marktchancen haben.

Von Willi Weber
FTD.de, 08.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

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