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Zertifikate

Damit bei Zertifikaten die Richtung stimmt

Zertifikateindizes vergleichen wichtige Produktgattungen. Probleme gibt es aber bei der Anwendung. Dennoch sind sie für Anleger eine nützliche Orientierung.
Ein Vorwurf, der dem Zertifikatemarkt immer wieder gemacht wird, ist die enorme Anzahl an Produkten und Strukturen, die Anlegern den Überblick erschwere. Tatsächlich werden an den Zertifikatebörsen in Frankfurt (Scoach) und Stuttgart (Euwax) derzeit mehr als 360.000 Zertifikate und Hebelprodukte gehandelt.Ein Versuch, die Transparenz in diesem Punkt zu verbessern, sind die von Scoach initiierten Zertifikateindizes. Eingeführt zu Jahresanfang, gibt es sie in vier Varianten: als Vergleichsindizes für Garantie-, Bonus-, Discount- und Outperformance-Zertifikate. Vor wenigen Wochen wurde die Palette um einen Aktienanleihenindex erweitert. Veröffentlicht wird das Quintett unter anderem auf den Websites von Scoach und dem Deutschen Derivate Verband (DDV).
"Am Aktienmarkt sind Richtgrößen wie der Dax längst gang und gäbe", sagt Thomas Kolb, Marketingleiter bei Scoach. Mit den Zertifikateindizes sei das Benchmarkkonzept auf den Zertifikatemarkt übertragen worden. Sie würden Anleger über die durchschnittliche Performance verschiedener Produkttypen informieren und seien zudem geeignet, die Funktionsweise der einzelnen Strukturen zu verdeutlichen, so Kolb weiter.
Zur Berechnung wird für jeden Index eine repräsentative Auswahl von 20 umsatzstarken Zertifikaten herangezogen, die sich alle auf den Euro Stoxx 50 beziehen. Die Gewichtung erfolgt dann anhand der am Markt investierten Volumina. "Die Fokussierung auf einen Basiswert hat den Vorteil, dass die Entwicklung der Zertifikateindizes mit der des Euro Stoxx 50 verglichen werden kann", sagt Kolb. Die Initiatoren verwenden hierzu den Euro Stoxx 50 Kursindex, auf den sich auch die ausgewählten Zertifikate beziehen. Allerdings wäre die Performance-Variante der geeignetere Vergleichsmaßstab, da hier die Dividenden mit eingerechnet werden. Schließlich stehen ja auch den Emittenten die Dividenden zur Finanzierung der Zertifikatestruktur zur Verfügung.

Ein weiteres Problem beim Garantieindex
Beim Garantieindex tritt noch ein weiteres Problem auf. "Bei diesem Typ musste die Auswahl auf Aktienbasiswerte erweitert werden, da keine ausreichende Zahl an Produkten auf den Euro Stoxx 50 vorhanden ist", sagt Lutz Johanning von der European Derivatives Group (EDG), die für die Berechnung der Indizes zuständig ist. Darunter, so Johanning, leide die Vergleichbarkeit mit dem Euro Stoxx 50. Alternativ biete sich für den Garantieindex ein Anleiheindex als Vergleichsgröße an.
Schwierigkeiten können sich auch bei der Interpretation der Performance der Zertifikatebarometer ergeben. Dazu ein Beispiel: Im Monat September legte der Euro Stoxx 50 Performance-Index um 3,6 Prozent zu.

Damit bei Zertifikaten die Richtung stimmt

Der Discountindex schaffte im gleichen Zeitraum lediglich ein Plus von knapp einem Prozent. Dem Fachmann mag zwar einleuchten, dass bei Discountzertifikaten aufgrund des Caps die Gewinnchancen begrenzt sind und folglich bei steigenden Märkten eine schwächere Wertentwicklung zu erwarten war. Trotzdem wäre ein wenig mehr an Information über das Warum wünschenswert.
Thomas Kolb verweist hier auf die ergänzenden Reportings, die seit Juli 2009 für jeden Index monatlich auf der Website des DDV veröffentlicht werden und Anlegern den Umgang mit den Transparenzindizes erleichtern sollen. So ist im September-Reporting zu lesen, dass der Discountindex im Berichtsmonat über einen durchschnittlichen gewichteten Cap von 1818 Punkten verfügte. Ein solch tiefer Cap - mehr als 1000 Punkte unter dem Euro Stoxx 50 - zeugt von einem sehr defensiven Anlageverhalten. Das schränkt zwar die Renditechancen spürbar ein, dafür sind die Erträge relativ sicher.
Auch der Bonusindex wird durch das Reporting aufgewertet. So ist dort zu erfahren, dass sich im September die durchschnittlich gewichtete Barriere (Kursschwelle) um 100 Punkte auf 1590 Zähler erhöht hat. Wirklich bullish sei das aber noch nicht, heißt es im Kommentar. Und weiter: So konservativ, wie der Index ausgelegt ist, hätten die Anleger nicht wirklich erwarten können, dass das Bonusbarometer voll mit dem Euro Stoxx 50 mitlaufe. In der Tat spricht ein Sicherheitspuffer von mehr als 40 Prozent auch im Bonusbereich für ein vorsichtiges Anlageverhalten. Durch die ergänzenden Informationen wird aus den Indizes eine Art Stimmungsindikator. Denn Deep-Discount- oder Deep-Barrier-Strategien sind häufig ein Indiz dafür, dass Anleger dem Markt nicht trauen, also mit einer Korrektur rechnen.
Die Zertifikateindizes mögen zwar nicht alle Transparenzdefizite der Branche beseitigen. In Verbindung mit den Reportings sind sie für interessierte Anleger jedoch eine nützliche Orientierungshilfe.

Von Willi Weber
aus der FTD vom 04.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

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