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Zertifikate

CO2-Zertifikate - Schmutzige Geschäfte für Anleger

Der Markt für Emissionsrechte wächst rasant. Auch Privatinvestoren können mitzocken. Die DWS stellt ihren Fonds allerdings schon wieder ein.

Das Geschäft ist schmutzig, hat aber Potenzial: Jahr für Jahr blasen Energieversorger wie Vattenfall, Eon oder RWE Tonnen von Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Atmosphäre. Dafür müssen sie zahlen, seit die Europäische Union (EU) im Jahr 2005 ein Emissionshandelssystem eingeführt und die Tonne CO2 einen Preis hat. Wer Kohlenstoffdioxid ausstoßen will, braucht dafür entsprechende CO2-Zertifikate.
Das erklärte Ziel heißt Klimaschutz: Durch die Menge der Zertifikate kontrolliert die EU den CO2-Ausstoß in Europa. Allerdings dürfen die Unternehmen mit ihren Verschmutzungsrechten untereinander handeln. Der Markt dafür wächst ständig, allein im vergangenen Jahr hat er sich trotz Finanzkrise und Rezession auf 126 Mrd. $ verdoppelt. Bisher tummeln sich dort neben den Industrieunternehmen vor allem institutionelle Investoren. Doch bietet er auch mutigen Privatanlegern Chancen.
"Der Einstiegszeitpunkt ist im Moment attraktiv" sagt Kai Ristau, Fondsmanager beim Hamburger Vermögensverwalter Aquila Capital. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Monaten überzählige CO2-Zertifikate verkauft, da sie in der Wirtschaftskrise weniger produzierten. So brach der Preis für eine Tonne CO2 am Terminmarkt von mehr als 25 Euro auf unter 10 Euro ein. Bislang hat sich der Markt kaum erholt. Wer jetzt investiert, hat die Chance auf steigende Preise. "Spätestens 2012 werden die Unternehmen Zertifikate zukaufen müssen", sagt Ristau. "Nach dem Preisverfall der vergangenen Monate könnte das Pendel dann in die andere Richtung ausschlagen."

Wette mit Tücken

Allerdings hat diese Wette ihre Tücken. Der Marktpreis für CO2-Zertifikate hängt nicht allein an der Nachfrage, einen noch größeren Einfluss spielt die Politik, die das Angebot bestimmt. Hier ist der UN-Klimagipfel in Kopenhagen im kommenden Dezember das große Fragezeichen. Noch ist nicht sicher, wie Europas Emissionshandelssystem ab 2013 aussehen wird, wenn das Kioto-Protokoll ausläuft. Sicher ist nur: Wenn es bei dem EU-Plan bleibt, die CO2-Emissionen bis 2020 in Europa um 20 Prozent zu senken, wird Brüssel in den nächsten Jahren weniger Verschmutzungsrechte an die Unternehmen verteilen können als bisher.

Das knappe Angebot dürfte den Preis langfristig in die Höhe treiben: Einige Experten rechnen mit 30 Euro und mehr pro CO2-Zertifikat ab 2013. Gerade weil aber so viel von den politischen Entscheidungsträgern abhängt, sind sie skeptisch, ob ein Privatanleger den Markt richtig durchschauen kann. "Dafür müsste er sich intensiv mit den politischen Rahmenbedingungen beschäftigen. Das fällt ja schon den Experten schwer", sagt Markus Hüwener, Vorstandschef von First Climate, einer auf den CO2-Markt spezialisierten Investmentberatungsfirma.

CO2-Zertifikate - Schmutzige Geschäfte für Anleger

Tobias Federico, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung Energy Brainpool, pflichtet ihm bei: "Wir tun uns schwer damit, einen genauen Preis vorherzusagen. Dazu sind die Einflussfaktoren zu zahlreich."
Viele Anlageprodukte für Privatinvestoren gibt es nicht. Fonds, Zertifikate und börsengehandelte Rohstoffpapiere (Exchange-Traded Commodities, ETCs) bilden alle im Wesentlichen den Preis der Terminkontrakte auf europäische Klimaschutzzertifikate ab. Steigt der Preis einer Tonne CO2 im Future-Handel, legen auch die Finanzprodukte zu.
So hat der von Ristau gemanagte DWS-Fonds CO2 Opportunities im vergangenen Monat 6,3 Prozent gewonnen, da zuletzt auch die Kurse am Terminmarkt gestiegen sind. Mit einem Teil des angelegten Geldes versucht Ristau darüber hinaus, mit komplizierten Geschäften den Gesamtmarkt zu schlagen.
Bitter für Ristau: Sein Fonds wird zum 4. August liquidiert - nicht einmal ein Jahr nach Auflage. Der Fonds verwaltet derzeit bloß 2 Mio. Euro. Das ist ein Bruchteil dessen, was nötig wäre, um den Fonds profitabel managen zu können. Darum zieht die Deutsche-Bank-Tochter DWS die Notbremse.
Bei den Anlagezertifikaten von Commerzbank und Royal Bank of Scotland ist zu beachten, dass Investoren ein Emittentenrisiko eingehen: Gerät der Anbieter in die Insolvenz, ist das Geld des Investors gefährdet. Bei Fonds passiert das nicht, da die Gelder als Sondervermögen verwaltet werden. Auch beim ETFS Carbon, einem von ETF Securities angebotenen ETC, gehen Anleger ein gewisses Kreditrisiko ein: "Garantiegeberin für die Carbon-ETCs ist Shell", sagt Nigel Longley, Direktor bei ETF Securities. Bei einer Schieflage des britischen Investmenthauses müssten sich Anbieter also noch keine Sorgen machen, bei einer Insolvenz des Ölkonzerns dagegen schon.
Einen Haken haben alle Produkte: sogenannte Rollverluste. Das Minus kann entstehen, wenn Fonds, Zertifikate oder ETCs von einem fälligen Terminkontrakt in einen teureren Future mit längerer Laufzeit wechseln. Unter Umständen kann es passieren, dass der Spotpreis der zugrunde liegenden CO2-Zertifikate zwar steigt, die Anleger davon aber kaum profitieren.

von Simon Schäfer
Aus der FTD vom 28.07.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

 

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