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Zertifikate

Letzte Chance für steuerfreie Kursgewinne

Am 30. Juni endet für Zertifikate endgültig die Frist für abgeltungsteuerfreie Kapitalerträge.
Das war es dann. In zehn Tagen ist das Kapitel Steuerfreiheit bei Kursgewinnen mit Zertifikaten zu Ende. Zumindest beinahe. Nur Papiere, die bereits vor dem 15. März 2007 gekauft und im Depot verbucht wurden, können dann noch ohne Abzug der Abgeltungsteuer veräußert werden. Bei allen anderen Zertifikaten gilt ab Juli der Pauschalabzug von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag.

Die Zeit drängt also. Denn um etwaige Kursgewinne ein letztes Mal vor dem Zugriff durch den Fiskus zu bewahren, muss der Verkaufserlös am 30. Juni bereits auf dem Konto verbucht sein. Eine schnelle Verkaufsorder am Vorabend des 30. käme damit zu spät. Um kein Risiko einzugehen, müssen Anleger also im Laufe der kommenden Woche aktiv werden, um die Frist nicht zu verpassen.
Relevant ist dies allerdings nur für einen bestimmten Teil des Zertifikate-Universums. Betroffen sind nämlich nur sogenannte "Risikozertifikate", die zwischen dem 15. März 2007 und Mitte Juni 2008 erworben wurden. Für die Risikopapiere wurde bei Einführung der Abgeltungsteuer eine Sonderregel mit verabschiedet, die besagt, dass Gewinne nur dann steuerfrei bleiben, wenn sie bis zum 30. Juni 2009 realisiert werden. Die bei Aktien oder Fonds geltende Abgeltungsamnestie bei Kauf vor Januar 2009 gilt hier also nicht. Dauerhaft steuerfrei bleiben Gewinne aus Zertifikaten nur bei einem Erwerb vor Mitte März 2007.
Zu den "Risikozertifikaten" gehören alle Index-, Bonus-, Discount oder Expresspapiere, bei denen theoretisch auch ein Totalverlust möglich ist. Sogenannte Garantiezertifikate gehören also nicht dazu, da diese ebenso wie Aktienanleihen als "Finanzinnovation" eingestuft und nach einem eigenen Regularium behandelt werden. Bei Garantien gilt die Abgeltungsteuer schon heute, sodass der Juni-Stichtag für sie ohne Belang ist.
Handlungsbedarf besteht also vor allem bei Discount- oder Bonuszertifikaten, wobei sich für den Anleger verschiedene Möglichkeiten ergeben. Liegt das Zertifikat im Plus und beträgt die Haltedauer mehr als zwölf Monate, so empfiehlt sich unter steuerlichen Gesichtspunkten ein aktiver Verkauf in den kommenden fünf Tagen. Etwaige Kursgewinne bleiben dann steuerfrei, sodass nur die künftigen Erträge aus einer gegebenenfalls unmittelbar danach durchgeführten Folgeorder versteuert werden müssen.
Liegt die Position hingegen im Minus, was nach den heftigen Börsenverlusten des vergangenen Jahres wohl häufiger der Fall ist, so gilt es genau den Anschaffungszeitpunkt zu überprüfen.

Letzte Chance für steuerfreie Kursgewinne

 

Bei Zertifikaten, die sich noch in der "alten" Spekulationsfrist von zwölf Monaten befinden, können gegebenenfalls ebenfalls verkauft werden, um die realisierten (Spekulations-)Verluste hinterher mit Gewinnen aus anderen Positionen zu verrechnen. Möglich ist dies im Rahmen der Verlustverrechnung bis 2013. Bis dahin müssen diese Verluste aufgebraucht sein.
Eine bequemere und nach Einschätzung von Steuerexperten auch cleverere Lösung besteht darin, die Papiere zu halten und sowohl den 30. Juni als auch das Ende der Spekulationsfrist abzuwarten. Werden die Verluste erst dann realisiert, fallen sie automatisch unter das neue Abgeltungsregime. Das heißt: Sie werden anteilig mit den abgeltungsteuerpflichtigen Einnahmen anderer Kapitalanlagen verrechnet. Dazu zählen neben Kursgewinnen dann auch Dividenden und Zinsen, deren Steuerlast durch die realisierten Verluste der Zertifikate-Investments gemindert werden kann.
Das gilt natürlich auch für Papiere, die im Minus liegen und bei denen die Spekulationsfrist bereits abgelaufen ist. Bei ihnen bekommen Anleger jetzt quasi eine zweite Chance, um die erlittenen Verluste doch noch mit dem Finanzminister zu teilen. Voraussetzung ist in diesem Fall aber, dass der Verkauf erst nach dem 1. Juli (also nach Ablauf der Übergangsfrist) erfolgt.
Fazit: Wer Zertifikate im Depot hat, der muss jetzt zügig handeln. Spätestens bis Donnerstag sollte entschieden sein, welche Positionen verkauft und welche gehalten werden sollen. Nur so ist einigermaßen sicher, dass die Frist für Orderabwicklung und Gutschrift auf dem Depot ausreicht und der Fiskus nur so viel bekommt, wie ihm auch wirklich zusteht.

20. Juni 2009
Von Ralf Andress
WELT ONLINE

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