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Zertifikate

Differenzkontrakte - Gefährliche Finanzprodukte animieren zum Zocken

Neuer Trend an den Finanzmärkten: In Scharen wechseln Anleger derzeit von Zertifikaten zu so genannten CFDs. Egal ob steigende oder fallende Kurse, mit diesen Finanzprodukten lässt sich bei stark schwankenden Märkten noch mehr Geld verdienen als mit Zertifikaten. Aber: Die Verlustrisiken sind erheblich höher.
 
Die deutschen Anleger sind ein merkwürdiges Völkchen. Entweder sie wollen es absolut sicher und lassen ihr Geld auf niedrig verzinsten Sparbüchern schlummern, die nur alle Jubeljahre aus dem staubigen Aktenordner genommen werden. Oder aber sie verfallen ins andere Extrem und stürzen sich in hochriskante Anlagen wie Zertifikate und Optionsscheine, deren Kursentwicklung sie stündlich verfolgen.
Nachdem diese Derivate durch die spektakuläre Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers in Verruf geraten sind, werden die bundesrepublikanischen Sparer nun mit einer neuen Produktkategorie zum Zocken verführt, von sogenannten CFDs.
CFD steht für den englischen Ausdruck "contracts for difference", zu Deutsch Differenzkontrakte. Mit ihnen lässt sich auf Kursveränderungen bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Währungen spekulieren.
Trotz oder gerade wegen der Finanzkrise sind CFDs hierzulande gefragt wie nie. Während sich das Volumen des Zertifikatemarktes in den zurückliegenden Monaten nahezu halbiert hat, legte die Zahl der Transaktionen mit Differenzkontrakten um ein Drittel zu.
Behalten die Anbieter recht, werden CFDs der neue Wachstumsmarkt der Investmentbranche. Eine Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin beziffert das Potenzial auf 250 000 Trader, verglichen mit 40 000 derzeit.
Der Reiz der "contracts for difference" ergibt sich aus der aktuellen Marktlage. Denn mit CFDs lässt sich sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten Geld machen: Was dazu nötig ist, sind möglichst starke Schwankungen bei den Kursen, und den Rohstoff Volatilität gibt es in der Finanzwelt derzeit mehr als reichlich.
Beim Deutschen Aktienindex (Dax) sind Bewegungen von 100 Punkten oder mehr derzeit an der Tagesordnung. Was des Normalinvestors Leid, ist des CFD-Investors Freud. Dank der enormen Hebelwirkung der Kontrakte können Anleger bei einem Dax-Punktgewinn von 100 Punkten ihr Kapital schnell mal verdoppeln.
Ein Beispiel verdeutlicht die Funktionsweise des CFDs: Wer bei einem Dax-Stand von 5000 Zählern einen Kontrakt auf einen steigenden Index-Stand abschließt, erhält für jeden Punkt, den der Dax steigt, einen Euro gutgeschrieben. Klettert der Dax zum Beispiel auf 5100 Punkte, entsteht ein Gewinn von 100 Euro. Am Ende wird nur die Differenz abgerechnet. Die Hebelwirkung ergibt sich daraus, dass der Anleger lediglich eine Sicherheitsleistung (in der Fachsprache Margin genannt) hinterlegen muss. Beim Dax und anderen Aktienindizes beträgt diese Kaution in der Regel ein Prozent des Basiswerts, in unserem Beispiel also 50 Euro. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital beträgt somit 200 Prozent.

Differenzkontrakte - Gefährliche Finanzprodukte animieren zum Zocken

 
Doch bekanntlich laufen die Märkte nicht immer so, wie man sich das wünscht. Und da liegen die Gefahren für den CFD-Anleger: Denn die Risiken sind nicht auf die Margin beschränkt. Fällt der Dax zum Beispiel auf 4900 Stellen, ist nicht nur die Margin aufgebraucht, es entstehen auch weitere 50 Euro an Nachschusspflicht. Fällt der Dax gar auf 4750 Punkte, sind insgesamt 250 Euro perdu.
"Diese neuen Produkte sind für Privatanleger absolut ungeeignet", warnt daher Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Aus Sicht des Anlegerschützers haben CFDs mehr mit Kasino denn mit Investieren zu tun. Nicht ganz so negativ sieht es Günter T. Schlösser, Vermögensverwalter bei PortfolioConcept: "Diese Differenzkontrakte können zwar spekulativ eingesetzt werden, sie eignen sich aber auch zur Absicherung des Depots." Allerdings seien dafür viel Disziplin und Kenntnis erforderlich.
Das sehen auch die Anbieter so. Sie preisen ihre Produkte jedoch als überlegen gegenüber Optionsscheinen und anderen Derivaten an. Aus ihrer Sicht eröffnen sie Anlegern den Zugang zu Märkten, die ihnen sonst schwer zugänglich wären, zum Beispiel Rohstoffe oder Devisen. Daneben machen sie geltend, dass Störfaktoren wie der Zeitwert oder die Volatilität anders als bei Warrants nicht ins Gewicht fallen. Es zählt allein die Kursdifferenz zwischen dem Kauf und dem Verkauf, streichen sie die Transparenz heraus.
Dass CFDs wirklich so transparent sind, bezweifeln manche Kritiker jedoch. Da die Kontrakte nicht traditionell an der Börse gehandelt werden, sondern außerbörslich abgewickelt werden, habe der Privatkunde keine Möglichkeit nachzuvollziehen, ob ihm faire Preise gestellt werden. So können sich die im Vergleich zu anderen Anlageklassen günstigen Gebühren für Anleger am Ende als teuer herausstellen. Genau gegen die Gefahr der Intransparenz richtet sich eine Initiative der Börse München in Zusammenarbeit mit dem CFD-Anbieter FXdirekt. Mit dem neuen Handelssegment Contrex will der Börsenbetreiber die Preise nachvollziehbar machen und damit neue Anlegerschichten gewinnen.

10. Juni 2009
Von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz
WELT ONLINE

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