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Vorsorge

Vorzeitige Auflösung - Doppelt verloren

Die Kündigung einer Lebensversicherung birgt einige Fallstricke. Der Versicherer zahlt wenig aus und das Finanzamt akzeptiert Verluste nicht immer. Besser ist es, die Police zu verkaufen.
Die Bilanz ist ernüchternd: Von den knapp 100 Millionen Lebensversicherungsverträgen in Deutschland wird gerade einmal die Hälfte bis zur Fälligkeit durchgehalten. Arbeitslosigkeit und Krankheit sind die häufigsten Gründe dafür, dass die Versicherten ihre Verträge vorzeitig auflösen. Oder bessere Anlagealternativen: Denn die Garantieverzinsung liegt bei Neuabschlüssen nur noch bei 2,25 Prozent, für Verträge ab 2012 ist bereits eine Absenkung auf 1,75 Prozent im Gespräch.
Für Anleger endet die vorzeitige Auflösung meist mit einem Verlust. Denn zu Beginn der Vertragslaufzeit geht ein Großteil der Prämien für die hohen Abschluss- und Vertriebsgebühren drauf und wird gar nicht angelegt. Bei Kündigung gibt es nur den Rückkaufswert, der gerade in den ersten Jahren kaum die gezahlten Beiträge ausmacht. Verloren geht zudem die Überschussbeteiligung. Ein Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt brachte in der Vergangenheit zwar etwas mehr.
Angesichts der mageren Renditeaussichten sinkt aber das Interesse gewerblicher Käufer, und die Preise fallen. Bei ihrer Entscheidung für eine der Alternativen sollten Anleger die steuerlichen Folgen beachten. Denn die sind unterschiedlich.

Grundregel
Oftmals lässt sich der Verlust noch nicht einmal beim Finanzamt absetzen, wobei Versicherte beim Verkauf steuerlich besser wegkommen als bei einer Kündigung. Dabei ist aber zu unterscheiden zwischen Alt- und Neupolicen. Die bis 2004 abgeschlossenen Verträge interessieren den Fiskus in der Regel nur, wenn die Mindestlaufzeit von zwölf Jahren nicht eingehalten wurde. Sonst sind die Gewinne steuerfrei und die Verluste irrelevant. Bei ab 2005 abgeschlossen Policen ist hingegen die Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und der Summe der eingezahlten Prämien maßgebend. Etwaige Verluste sind dann mit Zinsen, Dividenden und Börsengewinnen verrechenbar und mindern insoweit die Steuerlast.

Kündigung
Wird eine Neupolice gekündigt, folgt aufgrund der kurzen Laufzeit meist ein Verlust, der sich aber voll mit anderen Kapitaleinnahmen verrechnen lässt. Das geschieht aber erst über die Steuererklärung. Der Versicherte muss dazu dem Finanzamt die im Jahr aufgelaufenen Erträge aus Konten und Depots mitteilen, auf die die Banken bereits Abgeltungsteuer einbehalten haben. Die zu viel bezahlte Steuer erhält der Anleger dann zurück, bei Einkommensteuernachzahlungen fällt der Betrag entsprechend geringer aus.
Bei Altpolicen, also vor 2005 abgeschlossenen Lebensversicherungen, ist eine Kündigung steuerlich ungünstig, wenn die zwölfjährige Laufzeit noch nicht abgelaufen ist.

Vorzeitige Auflösung - Doppelt verloren

Denn dann werden auf die Einnahmen 25 Prozent Abgeltungsteuer einbehalten - selbst wenn die Kündigung dem Anleger einen Verlust beschert. Der steuerpflichtige Ertrag berechnet sich aus den Beiträgen abzüglich der darin enthaltenen Teile für Verwaltung, Vertrieb und Risikoabsicherung. Der verbleibende Sparanteil bildet das Deckungskapital, von dem der Garantiezins bemessen wird. Hinzu kommen sogenannte außerrechnungsmäßige Zinsen, wenn der Versicherer aus seinen Kapitalanlagen einen höheren Ertrag als den Garantiezins erwirtschaftet. Diese beiden nach mathematischer Methode ermittelten Beträge werden versteuert, auch wenn der Rückkaufswert deutlich unter den bis dahin geleisteten Prämien liegt. Der Fiskus hält also selbst dann die Hand auf, wenn wirtschaftlich ein hoher Schaden entstanden ist. Aus dem Grund ist es aus steuerlichen Gründen besser, die Police mit Verlust zu verkaufen.

Verkauf
Aufgrund ihrer noch kurzen Laufzeit haben gewerbliche Aufkäufer derzeit kaum Interesse an Neupolicen mit geringem Rückkaufswert. Eine Ausnahme sind lediglich Verträge, bei denen der Versicherte eine hohe Einmalzahlung geleistet hatte und der Aufkäufer kaum noch eigenes Geld nachschießen muss. Ergibt sich für den Anleger aus dem Verkauf ein Verlust, weil der Erlös unter seiner Prämiensumme liegt, kann er das Minus wie bei der gekündigten Neupolice steuerlich jedenfalls geltend machen.
Mehr Beachtung finden derzeit Altpolicen, vor allem solche mit kurzer Restlaufzeit und hoher Ablaufleistung. Da jedoch wegen des aktuell geringen Kapitalmarktzinses die Chancen gering sind, dass die Versicherer bis zur Fälligkeit hohe stille Reserven aufbauen, liegen auch die Preisangebote der Händler nicht deutlich über dem Rückkaufswert. Verluste sind folglich auch hier einzukalkulieren. Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und der niedrigeren Summe der gezahlten Prämien lässt sich steuerlich als Verlust geltend machen, wenn die Laufzeit keine zwölf Jahre beträgt. Da bei einer Kündigung zum gleichen Termin Abgeltungsteuer anfällt, kann der Verkauf sogar günstiger sein, wenn der Händler weniger als den Rückkaufswert bietet.

Von Robert Kracht
03.09.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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