Versicherer sorgen sich um Provisionssystem
Die Assekuranz hat Sorgen, dass die Berliner Koalition über eine Abschaffung oder Einschränkung des bisherigen Provisionssystems im Vertrieb nachdenken könnte. Dagegen kontert sie mit einem politischen Argument: Die Alternative Honorarberatung würde die bislang nicht mit Lebensversicherungen versorgten Bevölkerungsteile erst recht nicht erreichen - und damit die Altersarmut fördern. In Deutschland tätige Versicherer fürchten, dass die Bundesregierung dem Vorbild nordischer Länder nacheifert und den Verkauf von Versicherungen gegen Provision verbieten oder erschweren könnte. "Wir haben diese Sorge", sagte Dietmar Bläsing, Vorstand des Dortmunder Volkswohl Bundes, am Montag vor Journalisten in Köln. Ein solcher Systemwechsel weg vom Verkauf, den der Versicherer über eine Provision zahlt, hin zur Beratung, die der Kunde über ein Honorar finanziert, würde zu einem Sterben des Vermittlerberufs führen, warnten neben Bläsing auch Hans-Wilhelm Zeidler, Vertriebsvorstand der Zurich Deutschland, Günther Soboll, Deutschlandchef von Canada Life, und Bertram Valentin, sein Pendant von Standard Life. Diese vier Gesellschaften hatten beim Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) in Hamburg eine Studie auf Grund einer Umfrage bei 2088 Bundesbürgern bestellt. Von den Ergebnissen erhoffen sie sich Schützenhilfe für die politische Auseinandersetzung mit den Befürwortern der Honorarberatung.
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"Die Bürger stehen der Idee grundsätzlich negativ gegenüber, für eine Beratungsleistung Geld auszugeben", sagte IMWF-Sprecher Jörg Forthmann. Er ist gleichzeitig bei der PR-Agentur Faktenkontor beschäftigt. IMWF-Gründer Wilhelm Alms ist auch Mehrheitseigner der Kölner Rating-Agentur Assekurata. Selbst Bürger, die zumindest das Angebot einer Beratung in Erwägung ziehen, sehen den finanziellen Aufwand dafür in engen Grenzen. "Jeder Zweite spricht sich dafür aus, maximal 100 Euro zu investieren." Sollten Honorarmodelle weiter forciert werden, dürften damit in Zukunft immer weniger Bürger bereit sein, sich über ihre Risiko- und Vorsorgelücken beraten zu lassen, so Forthmann.
Von Herbert Fromme 12.07.2010 © 2010 Financial Times Deutschland |