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Vorsorge

Fragwürdige Policengeschäfte

Verbraucherschützer raten zur Vorsicht beim Verkauf von Lebensversicherungen. Der Rückzug seriöser Anbieter lockt schwarze Schafe an.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt vor Aufkäufern von privaten Kapitallebensversicherungen. "Das Volumen der seriösen Aufkäufer von Lebensversicherungen ist sehr rückläufig, diese Lücke wird nun von unseriösen Anbietern geschlossen", sagte Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. "Ein deutliches Warnsignal ist das Versprechen, dass der Rückkaufswert der Police verdoppelt wird."
Auch die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin beschäftigt sich mit dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Ein Sprecher sagte der FTD, es würden mehrere Fälle untersucht, die möglicherweise gegen das erlaubnispflichtige Einlagengeschäft verstießen. Das sei der Fall, wenn ein Unternehmen das Versprechen abgebe, dass der aufgekaufte Policen-Rückkaufswert vollständig zurückgezahlt werde. Namen wollte er nicht nennen.
"Viele Inhaber von Lebensversicherungen wollen verkaufen", sagte Lothar Trummer, Sprecher des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL). Das locke die schwarzen Schafe an. Die Nachfrage nach gebrauchten Lebensversicherungen ist derzeit jedoch auf einem Tiefpunkt. Den seriösen Aufkäufern fehlen die Absatzwege. Bisher reichten sie einen Großteil der Policen an Fondshäuser wie MPC  und HCI  weiter, die für die Finanzierung des Aufkaufs geschlossene Fonds auflegten. Dieses Geschäftsmodell funktioniert jedoch nicht mehr, seit zwei der Fonds abgewickelt werden mussten.
Dennoch werden vor allem Inhaber von Kapitallebensversicherungen auf Internetseiten und durch Vermittler mit Renditeversprechungen von mehr als sieben Prozent gelockt, ihre Police zu verkaufen. Zielgruppe sind meist Personen, die rasch Bargeld wollen oder ihre Versicherungsbeiträge nicht mehr bezahlen können. "Das Riskante an den Angeboten ist, dass lediglich ein Teilbetrag des Rückkaufswerts sofort ausgezahlt wird und der versprochene Rest erst Jahre später", sagte Gatschke. Doch bis dahin könnte das Unternehmen längst pleite sein. Seriöse Aufkäufer bezahlen sofort nach Vertragsabschluss die vereinbarte Summe. Auch bleibt bei ihnen der Todesfallschutz für die Versicherten erhalten. Die Verträge werden nicht gekündigt, sondern durch den Käufer weitergeführt.
Als Warnsignale für fragwürdige Angebote bewertet Gatschke neben der versprochenen Verdopplung des Rückkaufswerts die Rückzahlung in Raten über einen langen Zeitraum und ein niedriges Stammkapital des Unternehmens von etwa 50.000 Euro.
Völlig offen bleibt bei vielen Anbietern, wie sie die versprochenen hohen Renditen erwirtschaften wollen. Häufig ist von Immobiliengeschäften die Rede.

Fragwürdige Policengeschäfte

Dabei gilt es zu beachten, dass der Aufkäufer der Policen neben der Rendite auch die eigenen Verwaltungskosten und möglicherweise Vermittlerprovisionen erwirtschaften muss. Das Saarbrücker Unternehmen Alphapool etwa lockt auf der Homepage mit dem Angebot: "Der Kaufpreis für die Verkäufer dieser Anlagen beträgt teilweise mehr als das Doppelte des durch die Gesellschaft angebotenen Rückkaufwerts/Guthabens." Und weiter: "Mit dem eingeworbenen Kapital erwirbt die Alphapool AG qualitativ hochwertige Immobilien - weit unter Marktwert - direkt aus Zwangsversteigerungen und Bankenverwertungen. Bedingt durch die günstigen Einkaufspreise und die Wertsteigerung der Immobilie, mithilfe des aktiven Asset-Managements, erwirtschaftet das Unternehmen hohe Gewinne und Renditen." Zumindest macht Alphapool klar, "dass mit dem Ankauf der Policen sämtliche Risikoabsicherungen erlöschen". Zu Details der Immobiliengeschäfte und Sicherheiten für die Verkäufer wollte man gegenüber der FTD nicht Stellung nehmen.
Das Wiesbadener Unternehmen SAM Invest Management verspricht je nach Laufzeit eine Verzinsung des Restguthabens von 4 bis 7,2 Prozent. Bei einer Verdopplung des Restwerts, was etwa 7,2 Prozent Rendite entspricht, müssen die Verkäufer darauf vertrauen, dass es SAM in zehn Jahren noch gibt. Dann nämlich soll die Auszahlung erfolgen. Das Unternehmen hat ein Stammkapital von 25.000 Euro. "Wir sind sicher, dass wir die zugesagten Kaufpreise, welche einer Verzinsung von circa 4 bis 7,2 Prozent entsprechen, mit Investitionen in Fotovoltaikanlagen und Immobilienhandel erwirtschaften können", sagte SAM-Invest-Geschäftsführer Jürgen Thurm der FTD.
Das Frankfurter Unternehmen S&K Sachwert lockt auf seiner Homepage sogar mit einer Verdreifachung des Rückkaufwerts. Dafür müssen die Verkäufer jedoch acht Jahre auf die Auszahlung warten. Danach erhalten sie den Betrag in "192 gleichbleibenden, monatlichen Raten". Bis das versprochene Geld endgültig und in Summe eingegangen ist, vergingen so 24 Jahre.

Von Ute Göggelmann 
aus der FTD vom 22.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

 

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