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Vorsorge

Rente zum Selberbauen

Montiert oder in Einzelteilen - Altersvorsorge funktioniert wie Möbelkauf. Ein Vergleich der Konzepte.

Die heutige Rentnergeneration hat es noch recht gut getroffen. Dank umfangreicher Versorgungszusagen kann sich ein Großteil der Ruheständler sicher sein, auch ohne sinnvoll strukturierte Finanzplanung einen geregelten Lebensunterhalt bis zum Tod zu bekommen.
Für spätere Generationen kommt hingegen der Eigenvorsorge im Verhältnis zum gesetzlichen Versorgungssystem eine größere Rolle zu. Sie werden den Entsparprozess in der Ruhestandsphase nicht mehr ausblenden können, wenn das Vermögen tatsächlich bis zum Lebensende reichen soll.
Diese Aussage gilt für die meisten Selbstständigen und Freiberufler bereits heute, wie der Altersvorsorgeexperte Stephan Fasshauer betont. Auf diese Gruppen kämen "deutlich höhere Anforderungen bei Eigenverantwortung und Organisation" einer geregelten Altersvorsorge zu, als es bei Angestellten oder Beamten der Fall sei.

Grundvarianten des Kapitalverzehrs
Schon heute stellt sich ihnen deshalb die Frage, wie der während des Berufslebens angesparte Kapitalstock im Alter zu verwenden ist. Üblicherweise gibt es hier drei Ziele: den gewohnten Lebensstandard halten, gegebenenfalls etwas für die Nachkommen übrig lassen, die Versorgung bis ans Lebensende absichern.Grundsätzlich lassen sich zwei Grundvarianten des Kapitalverzehrs im Alter unterscheiden: Bei der Leibrente (siehe folgende Seite) zahlt der Ruheständler sein gesamtes Vermögen in einen Versicherungsvertrag ein und erhält aus diesem eine lebenslange Rentenzahlung, wodurch der Unterhalt bis zum Tod gesichert ist. Vorteile sind die ausgeprägte Sicherheit und die hohe Kalkulierbarkeit der Auszahlungen. Dem stehen als Nachteile die äußerst geringe Flexibilität der Leibrente und die fehlende Vererbbarkeit gegenüber.
Bei der sogenannten Investmentrente steht der bewusste Verzehr des zuvor gebildeten Kapitalstocks im Vordergrund. Dieser Variante stehen viele Betroffene zunächst eher ablehnend gegenüber, sagt Markus Riedmaier, Geschäftsführer des Finanzdienstleistungsinstituts Quattrofolio. Ruheständler konstruierten sich meist über Banksparpläne oder Auszahlpläne für Investmentfonds ihre eigene, zeitlich befristete Rente. "Sie nehmen den Kapitalverzehr somit selbst in die Hand", sagt Riedmaier.
Um dabei nicht frühzeitig auf dem Trockenen zu sitzen - sprich: das Vermögen bereits vor dem Tod verbraucht zu haben -, sind verschiedene Kalkulationen nötig. Neben der erwarteten internen Verzinsung des vorhandenen Vermögens ist insbesondere der erforderliche Versorgungszeitraum zu beachten.
Zudem muss das Vermögen auf verschiedene Anlageformen aufgeteilt und entsprechender Fonds oder andere Anlageprodukte ausgewählt werden. Dabei seien "Chancen und Risiken der einzelnen Investmentklassen zu berücksichtigen", sagt Raimond Maurer, Professor für Investment und Alterssicherung an der Universität Frankfurt am Main. Beispielsweise könne ein "vernünftig strukturiertes Portfolio" für einen 65-jährigen Rentner zur Hälfte aus Rentenfonds und zu 35 beziehungsweise 15 Prozent aus Aktien- und Immobilienfonds bestehen.

Rente zum Selberbauen

In einem weiteren Schritt muss die Art der Entnahme, also des Vermögensverbrauchs, festgelegt werden. Wichtig ist, das sogenannte Langlebigkeitsrisiko zu eliminieren oder zumindest weitestgehend zu reduzieren. Maurer empfiehlt, sich statt eines festen Betrags regelmäßig einen bestimmten Prozentsatz des Vermögens auszahlen zu lassen. Im einfachen Fall könnten dies konstant fünf Prozent pro Jahr sein. Die komplexere Variante bezieht die statistische Restlebensdauer in die Überlegung mit ein. Bei einem 65-jährigen Mann beträgt diese rund 16 Jahre. Er kann zunächst also pro Jahr ein Sechzehntel seines Kapitalstocks aufbrauchen. Fünf Jahre später, mit 70, beträgt seine statistische Restlebensdauer nun allerdings nicht 11, sondern 12,7 Jahre. Dann darf somit auch nur noch dieser Anteil jährlich entnommen werden. Entsprechend verändert sich die Quote mit weiter zunehmendem Alter.
Grundsätzlich lassen sich die beiden aufgeführten Möglichkeiten, die Rentenlücke im Alter zu schließen, beliebig kombinieren. Prinzipiell sind sich jedoch alle Rentenexperten einig, dass ein ausreichender Grundstock an Leibrenten bestehen sollte. Er sichert eine Minimalversorgung, um eventuelle Mietkosten und den Bedarf des täglichen Lebens abzudecken. Der prozentuale Anteil dieses Grundstocks hängt von individuellen Parametern ab - beispielsweise der Höhe des Kapitalstocks, den erwarteten Lebenshaltungskosten und dem Sicherheitsbedürfnis des Ruheständlers.

Leibrente

Einmalzahlung
Bei der Leibrente erkauft sich der Ruheständler durch eine einmalige Einzahlung bei einer Versicherung das Recht, lebenslang Rentenzahlungen zu erhalten. Ihre Höhe hängt von dem eingebrachten Kapital ab - und von der sogenannten biometrischen Charakteristik des Rentenempfängers, also etwa dem Alter, Gesundheitszustand und Geschlecht.

Anpassung
Wenn sich die Lebenssituation verändert, ist eine Anpassung kaum möglich. Beispiel: Es wird eine tödliche Krankheit diagnostiziert. Dann kann die verbleibende Zeit nicht durch erhöhten Konsum "versüßt" werden. Auch fließt kein Geld für teure, von der Krankenkasse abgelehnte Spezialbehandlungen.

Von Martin Ahlers
FTD.de, 10.01.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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