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Vorsorge

Wette auf Leben und Tod

Durch die Abgeltungsteuer gewinnen Lebensversicherungen wieder an Attraktivität gegenüber Fondssparplänen. Bei der Frage, was besser für sie ist, müssen Sparer jedoch eine Wette auf eine unangenehme Frage eingehen: Wie lange lebe ich?

Topp, die Wette gilt. Der Kunde hat den Rentenvertrag unterschrieben. Erst Jahre später wird er wissen, ob er die Wette gewonnen hat. Lebt er so lange wie er glaubt, macht er möglicherweise ein gutes Geschäft. Stirbt er dagegen früher als gedacht, ist der Versicherer der Sieger und das Geld meistens für die Angehörigen verloren.

Mit Rentenversicherungen verlagern Verbraucher das Risiko, dass sie älter werden als gedacht, auf den Versicherer. Denn die Rentenversicherung zahlt dem Kunden für den Rest seines Lebens eine Leibrente. "Rentenversicherungen sind eher für vorsichtigere Menschen geeignet", sagt Hans-Ludger Sandkühler vom Institut der Versicherungsmakler in Bochum. "Bei einem Fondssparplan bleibt das Risiko, dass das angesparte Geld nicht für den Ruhestand ausreicht", sagt Sandkühler.

Früher war die Welt der Altersvorsorgeangebote überschaubar. Wer zusätzlich etwas ansparen wollte, schloss in der Regel eine klassische Lebensversicherung ab. Mittlerweile gibt es für neue Verträge keine steuerfreien Auszahlungen mehr und statt der Lebensversicherung hat der Vermittler Rentenversicherungen in zwei Versionen im Aktenkoffer: die klassische und ihre fondsgebundene Variante.

Bei klassischen privaten Rentenverträgen weiß der Kunde, was er mindestens bekommt. Die Mindestrente errechnet sich aus dem Garantiezins von zurzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil der Beiträge. Der Garantiezins gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Seine maximale Höhe wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Bis zum Jahr 2000 lag er noch bei 4 Prozent. Verzinst wird nur der Sparanteil von in der Regel 80 Prozent der Einzahlungen. Den Rest verwenden die Versicherer für Vertriebs- und Verwaltungskosten. Zusätzlich zahlen die Versicherer ihren Kunden eine Beteiligung an den erwirtschafteten Gewinnen.

Fondsgebundene Rentenversicherungen enthalten meistens keine Garantien. Dafür können Versicherte eine höhere Rendite erreichen, denn die Sparbeiträge der Kunden fließen in Investmentfonds. Das Anlagerisiko trägt aber allein der Kunde. "Darüber sind Verbraucher oft nicht ausreichend informiert", sagt Sandkühler. Die Versicherer bieten zwar mittlerweile auch Fondspolicen mit Garantien, etwa auf den Erhalt des eingezahlten Kapitals. Das kostet aber Rendite. Wegen der hohen Kosten waren die Policen für risikofreudige Anleger bisher nur zweite Wahl gegenüber der Direktinvestition in Fonds.

Verbraucherschützer konnten sich nie für die Lebens- oder Rentenversicherung erwärmen und empfahlen die Direktanlage in Investmentfonds. Sie bemängelten Intransparenz und hohe Kosten. Doch nun scheint der Gesetzgeber der Assekuranz mit der Einführung der Abgeltungsteuer zu Hilfe zu kommen. Die ab 2009 fällige Steuer ist ein wichtiges Verkaufsargument für die Versicherer geworden. Denn die Altersvorsorgeverträge der Assekuranz bleiben von ihr verschont. Das wollen die Versicherer vor allem nutzen, um mit ihren fondsgebundenen Verträgen gegen die Fondssparpläne der Banken zu punkten.

Wette auf Leben und Tod

Ab Januar 2009 müssen Anleger Zinsen, Dividenden und Kursgewinne pauschal mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag versteuern. Auch Dividendenerträge sind künftig voll steuerpflichtig und nicht mehr nur zur Hälfte. Damit fällt die Summe des angesparten Kapitals geringer aus und der Kunde profitiert weniger vom Zinseszinseffekt. Bisher war der persönliche Steuersatz maßgeblich. Bei Rentenversicherungen fallen dagegen erst bei der Auszahlung Steuern an, und zwar nur auf den Ertragsanteil, sofern der Vertrag erst nach dem 60. Lebensjahr ausbezahlt wird und länger als zwölf Jahre lief. Beginnt die Rente mit 65 Jahren, liegt der Ertragsanteil bei 18 Prozent. Auf diesen wird der persönliche Steuersatz fällig.

Dass der Gesetzgeber Rentenpolicen steuerlich besser stellt, stört Verbraucherschützer und Fondslobby gleichermaßen. Verbraucherschützer weisen auf die hohen Kosten hin, die in der Regel auf Versicherungsverträgen lasten. "Der Staat bevorzugt mit der Abgeltungsteuer das teurere Produkt", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Die Kosten seien in den meisten Fällen so hoch, dass Fondspolicen den Steuervorteil nicht ausnutzen können.

Verbraucherschützer Gottschalk hat verschiedene Verträge, die in den gleichen Fonds investieren, mit einer direkten Anlage in diesen Fonds verglichen. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Vor allem Gutverdiener können in der Regel nicht von der steuerlichen Begünstigung der Fondspolicen profitieren. "Das Ergebnis fällt für die Fondspolicen umso schlechter aus, je höher der persönliche Steuersatz liegt", sagt Gottschalk. Bei einem Steuersatz von 44 Prozent schnitt nur eine Police besser ab als die ungünstigste Direktanlage-Variante. Bei niedrigen Steuersätzen sieht es für die Versicherungen etwas besser aus.

Gottschalk kritisiert auch das übliche System der Kickback-Zahlungen an den Versicherer. Dabei bekommen die Versicherer von Fondsgesellschaften wie DWS oder Union Investment einen gewissen Prozentsatz der von den Kunden bezahlten Kosten zurück. Durchschnittlich betragen die gesamten Verwaltungsgebühren 1,5 Prozent der investierten Summe. Gut 60 Prozent davon fließen an den Versicherer zurück, sagt Gottschalk. "Es wird ein Anreiz geboten, in teure Produkte wie Dachfonds zu investieren. "Verwaltungsgebühren zahlt der Kunde auch, wenn er direkt in einen Fonds investiert, bei Dachfonds sogar mehrfach.

Die Fondsbranche fühlt sich durch die neue Steuer benachteiligt. "Es wird ab 2009 ungleiche Wettbewerbsbedingungen für Versicherer und Fondsgesellschaften geben", sagt Paul Dylla vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). "Es gibt ab 2009 Anreize für die Vertriebe, mit der Steuerersparnis zu argumentieren." Für viele Anleger sei Steuern sparen wichtiger als die Fragen, ob ein Produkt passt oder ob es sich rentiert. "Da das Steuerthema für die Anleger so wichtig ist, hat die Begünstigung von Versicherungen ab 2009 auch Auswirkungen auf den Wettbewerb." Der Branchenverband hofft, dass das Gesetz noch nachgebessert wird und setzt sich dafür ein, dass Sparpläne mit einer Mindestlaufzeit von zwölf Jahren, die erst ab dem 60. Lebensjahr ausbezahlt werden, genauso behandelt werden wie Versicherungsverträge.

Von Patrick Hagen

FTD.de, 03.06.2008
© 2008 Financial Times Deutschland

 

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