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Ausländische Fonds und Abgeltungssteuer

Offene Investmentfonds erfreuen sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Mit relativ geringem Einsatz ist es möglich, sein Portfolio zu streuen und das Risiko kalkulierbarer zu machen. Oft handelt es sich um Fonds, die nicht in Deutschland aufgelegt wurden. Erkennen kann man ausländische Fonds an der ISIN-Nummer ("International Securities Identification Number"), die nicht die deutsche DE-Kennung enthalten, sondern einen ausländischen Ländercode umfassen, zum Beispiel aus Luxemburg ("LU"), der Schweiz ("CH") oder aus Österreich ("AT").

Ausländische Fonds, die keine Erträge ausschütten (sogenannte "thesaurierende Fonds"), können im Inland zu steuerlichen Problemen führen. Obwohl thesaurierende Fonds den Anlegern keine Erträge auszahlen, ist alljährlich ein steuerpflichtiger Zufluss zu fingieren. Dieser Zufluss speist sich aus den vom Fonds erwirtschafteten Dividenden und Zinsen. Nicht hierzu zählen indes die realisierten Kursgewinne, die der Fonds erzielen konnte. Oft werden diese Gewinne auch als ausschüttungsgleiche Erträge umschrieben. Die Gewinne sind als steuerpflichtige Einnahme aus Kapitalvermögen im Inland steuerpflichtig und unterliegen beim Privatanleger der Abgeltungssteuer.
Da die ausländischen Gesellschaften von den inländischen Steuerbehörden jedoch nicht zum Einbehalt und zur Abführung der Abgeltungssteuer verpflichtet werden können, wird die Verantwortung auf den inländischen Kapitalanleger abgewälzt. Der im Inland ansässige Kapitalanleger hat die thesaurierten Gewinne zum 31. Mai eines jeden Jahres in seiner Einkommensteuererklärung gegenüber dem Finanzamt zu deklarieren.
Professionelle Fondsgesellschaften unterstützen die Anleger zwar, indem diese regelmäßig die notwendigen Zahlen ermitteln und mitteilen. Oft leidet jedoch die Liquidität des Anlegers, denn die Abgeltungssteuer auf fiktive Zuflüsse muss aus anderen Kapitalquellen des Anlegers geschöpft werden. Denn aus dem Fonds selbst wird ja nichts ausbezahlt, aber die Steuer muss trotzdem bezahlt werden. Der Vorteil für den Anleger: Der gesamte Ertrag aus erwirtschafteten Dividenden und Zinsen verbleibt im Fonds und kann von der Gesellschaft wiederum gewinnbringende angelegt werden, was einen Zinseszinseffekt zeitigt.

Ausländische Fonds und Abgeltungssteuer

Weiterer Nachteil: Ungemach droht bei inländischen Geldinstituten, wenn Anteile aus ausländischen thesaurierenden Fonds veräußert werden und die Veräußerungserlöse auf einem inländischen Bankkonto gutgebucht werden. Denn die inländischen Banken sind verpflichtet, auf den Gegenwert des Veräußerungserlöses nochmals die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % auf die ausschüttungsgleichen Erträge zu erheben und zwar für die gesamte Zeit des Anteilsbesitzes, was zu einer Kumulierung der Steuerschuld führen kann.
Zwar kann sich der Anleger die zunächst doppelt gezahlte Abgeltungssteuer auf diese Erträge mit Einreichung seiner Einkommensteuererklärung zurückholen. Dies allerdings erst mit erheblichem Zeitverzug und - was sehr nachteilig ist - mit einer dezidierten Nachweispflicht, wonach die ausschüttungsgleichen Erträge in der Vergangenheit bereits zutreffend versteuert wurden. Dies bedingt die sorgfältige Sammlung bzw. Dokumentation aller von der Fondsgesellschaft und/oder Bank im Laufe der Jahre erhaltenen Unterlagen. Die Praxis lehrt, dass nicht alle Anleger diesen Anforderungen gewachsen sind. So mancher Anleger wird sich daher überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, etwaige Veräußerungserlöse auf Konten inländischer Geldinstitute zu transferieren oder ob diese Erlöse auf einem Konto bei einer Bank im Ausland nicht besser aufgehoben sind.

©  Steueranwalt Thomas M.R. Disqué

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Mannheim, den 26.05.2011

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