Nothilfe für Winzlinge
Erst sollten sie Anleger vor der Abgeltungsteuer retten, jetzt kämpfen viele kleine Dachfonds ums Überleben. Den Eintritt in einen Poolfonds verschmähen viele bislang, weil das Ego der Fondsmanager das nicht zulässt. Neben steuerlichen Nachteilen droht auch das komplette Aus. Die Idee klang gut: In den Jahren 2007 und 2008 legten viele unabhängige Vermögensverwalter und Finanzberater Dachfonds auf, um ihre Kunden vor der Abgeltungsteuer zu bewahren. Die Steuer trat 2009 in Kraft, sie verschont Verkaufserträge, die innerhalb eines Fonds erzielt werden. Doch inzwischen offenbaren die Vehikel ihre Schwäche. Viele sind vom Volumen her zu klein. Ein Grund dafür ist die oft mangelnde Vertriebserfahrung. Bei anderen zog das Kriterium der Steuerersparnis als alleiniges Kaufargument nicht. Viele Fonds haben es bis heute nicht auf ein Volumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich gebracht. "Unter 10 Mio. Euro ist es nicht wirtschaftlich, einen Fonds zu betreiben", sagt Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer von ESD Multi-Manager, der eine Datenbank mit vermögensverwaltenden Fonds führt. Denn bei einem kleinen Fonds wiegen die Kosten, etwa für den Halbjahresbericht und die Kapitalanlagegesellschaft, besonders schwer. "Das schlägt sich auf die Performance nieder", sagt Erdmann. Ist diese schlecht, kann das wiederum den Steuervorteil aufzehren, den Anleger durch den Fonds gewonnen haben. Etwa 200 bis 400 der Fonds, die vor Einführung der Abgeltungsteuer aufgelegt wurden, sind nach Einschätzung von Experten unrentabel und damit nicht überlebensfähig. Mehrere Finanzdienstleister arbeiten an einer Lösung des Problems. Zum Beispiel Sabri Ergin, Vorstand der Ergin Finanzberatung in München. Er hat Anfang des Jahres einen Poolfonds ins Leben gerufen, dessen einzige Aufgabe darin bestehen soll, gescheiterten Fonds von Vermögensverwaltern ein neues Zuhause zu bieten. Sind die zu kleinen Fonds erst einmal in dem Pool aufgegangen, sollen deren Verwalter das Zepter allerdings nicht ganz aus der Hand legen, sondern dem Verwalter des Poolfonds mit Anlageempfehlungen zur Seite stehen. "Man muss das Ego der Fondsbetreiber berücksichtigen", sagt Ergin. Wer seinen Fonds in den Poolfonds einbringt, gesteht schließlich ein, dass er mit seinem Konzept gescheitert ist. Vielleicht ein Grund dafür, dass Ergin bisher noch keine Teilnehmer für sein Experiment gefunden hat.
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Eine ähnliche Lösung plant ESD-Chef Erdmann. Er will die nicht überlebensfähigen Winzlinge als Teilfonds in einem speziell dafür aufgelegten Umbrella-Fonds bündeln. Der Unterschied zu Ergins Konzept: Die Manager der beteiligten Minifonds sollen ihren jeweiligen Teil des Fonds weiterhin selbst verwalten. Der Umbrella-Fonds steckt allerdings noch in der Planungsphase. "Wir sind mit ersten Kapitalanlagegesellschaften im Gespräch", sagt Erdmann. Solche und ähnliche Konzepte werden nach Einschätzung von Branchenkennern in diesem Jahr an Bedeutung gewinnen. "Kapitalanlagegesellschaften sehen kleine Fonds nicht gern", sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters SJB Fondsskyline. Viele Gesellschaften werden seiner Ansicht nach in diesem Jahr den Druck auf die Manager von Minifonds erhöhen, damit diese ihre Produkte verschmelzen. Ob beim Verschmelzen die Steuervorteile erhalten bleiben, ist unklar. Sowohl Ergin als auch Erdmann versichern zwar, es werde mit ihren Fonds keine Steuerprobleme geben - aber noch fehlt der Praxisbeweis. Werten die Steuerbehörden die Verschmelzung unterschiedlicher Fonds als Verkauf und Kauf, könnte Abgeltungsteuer fällig werden. "Eine Verschmelzung ist steuerlich eine Gefahr", warnt Bennewirtz. Wird ein Minifonds nicht verschmolzen, ist das für Anleger nicht weniger riskant. Denn bleibt dieser unrentabel, dürfte er früher oder später liquidiert werden. Dieses Schicksal erwartet Bennewirtz in diesem Jahr für viele kleine Vermögensverwalterfonds. "Die Masse wird es nicht schaffen, aus eigener Kraft größer und damit rentabler zu werden als bisher." Bennewirtz rät Anlegern deshalb, einen klaren Schnitt zu erwägen: "Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, in einem anderen Fonds neu anzufangen."
Von Julia Groth 26.07.2010 © 2010 Financial Times Deutschland |