abgeltungsteuer.de Das Portal zur Abgeltungsteuer
Fonds

Abenteuer Fondskauf

Viele Fonds verwirren die Anleger mit irritierenden Systematiken oder fehlende Standards. Die günstigsten Angebote zu finden, gleicht häufig einer Kärrnerarbeit. 
Die Situation ist verwirrend: Wer in einschlägigen Internet-Datenbanken nach dem Luxemburger DWS Invest Africa-Fonds sucht, findet bis zu sechs verschiedene Versionen. Jede mit einer anderen Wertpapierkennung (ISIN, WKN oder beides) und einem LC, LD, NC, FC, A2 oder DS1 hinter dem Namen. Zwar steckt immer dieselbe Managementleistung dahinter, aber die Produkte unterscheiden sich nach Gewinnverwendung, Währung und Gebührenstruktur.
Über 40 verschiedene Anteilklassen vertreibt die DWS, erkennbar an immer neuen Buchstaben- und Zahlenkombinationen. Privatanlegern erschließt sich die Systematik dahinter nicht, für sie wird der Fondskauf zum Abenteuer. "DWS Invest ist mittlerweile unsere bevorzugte Plattform für den weltweiten Vertrieb", sagt DWS-Produktmanager Philipp Wanke. Das sei nicht am Reißbrett geplant worden, sondern habe sich erst nach und nach ergeben. Er gibt zu: "Dabei ist die Logik für die Benennung der einzelnen Anteilklassen an ihre Grenzen gestoßen."
Wildwuchs bei Namenskürzeln und Fondsvarianten herrscht auch bei Wettbewerbern wie Allianz Global Investors, Union Investment oder Deka. Internationale Konkurrenten wie Fidelity oder Threadneedle haben teilweise sogar noch mehr Ziffernkombinationen in ihrem Portfolio.
Einheitlich werden die Kürzel nicht verwandt, ein Buchstabe, der bei einem für Privatanlegerklassen steht, kann beim Wettbewerber durchaus eine Großkundentranche kennzeichnen. Besonders verwirrend ist die Situation derzeit bei Allianz Global Investors (AGI) und der von ihr übernommenen Cominvest: Die Privatanlegerklasse für Cominvest-Fonds heißt bis heute P. Bei AGI steht dasselbe Kürzel für eine rabattierte Fondsklasse für gehobene Privatkunden, die mindestens 100.000 Euro anlegen.
Nur ein kleiner Teil der Klassen steht Kleinsparern zur Verfügung. Trotzdem tauchen in Heimanleger-Vergleichsportalen im Internet und bei großen Ratingagenturen immer wieder auch andere Anteilklassen auf. "Wir erfassen in unseren quantitativen Ratings eben alle Daten, die Anbieter zur Verfügung stellen", erklärt Werner Hedrich von der Ratingagentur Morningstar den Ansatz in seinem Haus: "Und die senden uns nun mal in der Regel Informationen zu sämtlichen Varianten." Das führt wiederum dazu, dass in den Ratings fast automatisch jene Fondsvarianten dominieren, welche die geringsten Gebühren verlangen, also die höchsten Erträge nach Kosten erwirtschaften. Für Kleinanleger sind die Produkte aber unerreichbar, da der Rabatt nur für Großkunden gilt. Fragen sie mit der ISIN eines solchen Fonds bei ihrem Banker nach, ernten sie Kopfschütteln oder ein "Haben wir nicht". 

Abenteuer Fondskauf


Um die Privatanleger-Tranchen herauszusuchen, muss man nach zusätzlichen Informationen filtern, rät Hedrich. "Zum Beispiel nach der Mindestanlagesumme." Immerhin: Das Rating selbst werde durch die Vielzahl der Varianten aber nicht verzerrt, versichert der Analyst: "Wir vergeben immer nur ein Rating pro Fonds. Unterschiede bei Gebühren oder Ausschüttungsmodalität zählen wir nicht", so Hedrich.
Das konkurrierende Fondsanalysehaus Feri Eurorating geht einen anderen Weg. Hier nimmt man immer nur eine Anteilklasse pro Währung auf - die übrigen werden ignoriert: "Wir raten in der Regel zu den Fonds mit den höchsten Gebühren", sagt Feri-Analyst Andreas Köchling. Auch dieses Verfahren schützt nicht davor, dass ein Fonds in die Tabellen gerät, der gar nicht zu haben ist. Denn die Auswahl ist Handarbeit: "Das lässt sich per Computer kaum machen." Die Verwirrung ließe sich durchaus auflösen: mit gesetzlichen Vorschriften genauso wie mit freiwilligen Standards oder Empfehlungen durch Fondsverbände. Bisher traut sich aber offenbar niemand, die schon stark regulierte Industrie auch noch zu einheitlichen Abkürzungen zu drängen.
Für Ratingagenturen und Online-Finanzportale ist aber genau das der Hauptgrund für die missliche Situation - die letztlich zur Verwirrung bei Privatanlegern beiträgt. Zumal wenn ein Fondsanbieter auch noch unzuverlässige oder unvollständige Daten abliefert. "Eine Gewähr können wir dafür nicht übernehmen", sagt ein Sprecher des Internetportals Onvista entschuldigend. "Wir sind auf das Material angewiesen, das wir von unserem Datenlieferanten bekommen."
Wer definitiv wissen will, welche Anteilkassen eines Fonds er kaufen kann, muss also einen Blick in den Verkaufsprospekt werfen. Denn da steht immerhin drin, was sich hinter all den Kürzeln wirklich verbirgt.

Von Olaf Wittrock
03.05.2010
© 2010 Financial Times Deutschland
 

 

1
Haben Sie Fragen?
Ihr persönlicher Expertenrat zur Abgeltungsteuer!

Schreiben Sie eine E-Mail.
Abgeltungsteuerrechner
 
 
Ledige
Verheiratete
 
Bayern + BaWü
Andere Bundesländer
Keine Kirchensteuer
 
Newsletter
Newsletter
Top Schlagworte
Abgeltungssteuer Aktien Dab Doppelbesteuerungen, Drittstaaten, Einkommensteuer Schweiz, Vergangenheit, Verhandlungen, Wortlaut,
Top Artikel
Den Fonds fürs Leben finden
Den Fonds fürs Leben finden
Aktienanleihen profitieren von der Abgeltungsteuer
Aktienanleger müssen leiden
Abgeltungsteuer - ganz einfach    Was ist die Abgeltungsteuer?    Entwicklung der Abgeltungsteuer    Abgeltungsteuer international                 Impressum