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Geldmarktfonds - Meister der Selbstdisqualifikation

Geldmarktfonds sind kaum mehr gefragt. Die Anbieter reagieren deshalb mit Transparenz - und legen damit Risiken bloß, die diese Anlageklasse gar nicht haben sollte. 
Gäbe es in der Fondsindustrie den Titel "Ladenhüter des Jahres", stünde der aktuelle Sieger zweifelsfrei fest: Der Preis ginge an die Geldmarktfonds. 2009 verloren die Produkte, die in Anleihen und andere Papiere mit kurzer Laufzeit investieren, laut Branchenverband BVI rund 30 Mrd. Euro Anlegergeld - noch einmal einige Milliarden mehr als im Jahr zuvor. Hauptgrund: Viele der Fonds erwiesen sich als riskantere Investments, als Anleger vermuteten.
Geldmarktfonds gelten eigentlich als Sparbuchalternative, die eine niedrige, aber konstante Rendite bringt. Viele Investoren, vor allem institutionelle, nutzen sie als vermeintlich sicheren Kapitalparkplatz, wenn die Aktienkurse fallen. Doch im Krisenjahr 2008 ging diese Rechnung oft nicht auf. So überstiegen die Kosten mancher Fonds die Erträge. Andere Fonds offenbarten grobe Mängel. Sie rutschten ins Minus, weil sie verbriefte Kredite, sogenannte Asset-Backed Securities (ABS) im Portfolio hatten - jene Papiere also, die die Finanzkrise mit ausgelöst hatten. Infolge der Krise verloren ABS stark an Wert, viele Fondsmanager verkauften sie mit hohen Verlusten. Anleger, die von dieser riskanten Strategie nichts wussten, verkauften ihre Anteile.
Für die Fondsgesellschaften sind die anhaltenden Abflüsse besonders bitter. Denn die Anbieter bemühen sich mittlerweile, die Risiken ihrer Geldmarktfonds realistisch zu beschreiben. Mehrere Unternehmen geben seit einem Jahr differenzierter als zuvor an, wie hoch das Risiko der einzelnen Produkte ist. Die Unicredit-Tochter Pioneer etwa änderte die Bewertung von drei ihrer neun Geldmarktfonds von "sicherheitsorientiert" auf "begrenzt risikobereit" und weist nun insgesamt zwei Drittel der Geldmarktfonds als Produkte für risikofreudigere Anleger aus.
Andere Anbieter warten noch darauf, dass die EU-Kommission einen Vorschlag der Vereinigung der europäischen Fondsanbieter Efama absegnet: nämlich Geldmarktfonds europaweit einheitlich in die Kategorien "kurzfristig", "regulär" und "andere" einzuteilen. Bei Letzteren stünde die Rendite im Vordergrund. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat die Fonds vorsorglich schon nach Efama-Kriterien kategorisiert. "Diese Kriterien werden der neue Branchenstandard", sagt Martin Caspary, DWS-Produktspezialist für Rentenfonds. Der BVI unterscheidet indes seit einem Jahr zwischen klassischen und chancenorientierten - im Klartext: riskanten - Geldmarktfonds. Auch mehrere Ratingagenturen wollen ihre Kategorien überarbeiten.

Geldmarktfonds - Meister der Selbstdisqualifikation

Zwar ist das Volumen der Produkte in der BVI-Kategorie Geldmarktfonds im Januar zum ersten Mal seit einem Jahr wieder gestiegen. Grund war allerdings nicht steigendes Anlegerinteresse, sondern ein Statistiktrick. Analysten rechnen für dieses Jahr unter dem Strich nicht mit einem Plus beim gesamten Fondsvolumen. Und sind überzeugt, dass Anleger sich nicht nur wegen der nach wie vor niedrigen Zinsen zurückhalten. "Die Enttäuschung der Anleger sitzt tief", sagt Christopher Wolter, Analyst der Ratingagentur Feri. Auf lange Sicht werde mehr Transparenz zwar helfen, wieder Vertrauen aufzubauen. "Aber so schnell geht das nicht."
Überdies haben sich viele Geldmarktfonds durch die Transparenzoffensive selbst disqualifiziert. Sie sind jetzt korrekt als riskantere Investments gekennzeichnet. Nur: Wer kauft einen Geldmarktfonds mit hohem Risiko? "Die Frage ist, an wen sich diese Produkte eigentlich richten", sagt Wolter. Als Sparbuchalternative taugen sie jedenfalls nicht. Die Wertentwicklung chancenorientierter Geldmarktfonds ist äußerst unterschiedlich. Sie lag nach BVI-Angaben von Februar 2009 bis Januar 2010 in einer Bandbreite zwischen minus 30,1 und plus 21,5 Prozent. Damit waren die Unterschiede deutlich größer als bei klassischen, konservativ investierenden Geldmarktfonds. Dort reichte die Spanne von minus 2,1 bis plus 4,9 Prozent.
Experten sind skeptisch, ob die riskante Spielart der Anlageklasse überhaupt eine Zukunft hat. "Die Daseinsberechtigung eines Geldmarktfonds, der seine Rendite durch undurchsichtige Anlagen erwirtschaftet, ist aus unserer Sicht nicht gegeben", sagt Michael Burmann, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Engels & Schölzel.

Von Julia Groth
Aus der FTD vom 15.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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