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Steuerliche Sonderwege bei ETFs

Eigentlich sieht das Steuerrecht für ETFs nichts Besonderes vor, sie werden behandelt wie normale Investmentfonds. Sofern Privatanleger ihre Anteile Ende 2008 im Depot hatten, bleiben die von den Managern anschließend realisierten Gewinne steuerfrei. Doch ganz ohne Abgeltungsteuer kommen die ETFs nicht davon.

Sofern sie auf einen Aktien- oder Rentenindex setzen, indem die zugrunde liegenden Aktien oder Anleihen im Sondervermögen des ETFs liegen, muss der Anleger von den Dividenden und Zinsen einmal jährlich ein Viertel für den Fiskus rausrücken. Dabei spielt keine Rolle, ob der Fonds diese Kapitaleinnahmen thesauriert oder ausschüttet. Diese Steuerpflicht versuchen eine Reihe von ETFs - etwa von der Deutschen Bank und Lyxor - zu umgehen, indem sie die Indexentwicklung über Swaps nachbilden. Das bringt zwei Vorteile. Die bei Auslandsaktien jenseits der Grenze kassierte Quellensteuer wirkt nicht als Performancebremse, und durch den Swap wird die Versteuerung von Dividenden und Zinsen umgangen.

 
Ein Zinseszinseffekt kann realisiert werden


  Für den Anleger ergibt sich hieraus der Vorteil, dass die Dividenden und Zinsen in Form von Kursgewinnen aus Termingeschäften entstehen. Die unterliegen dem Bestandsschutz, solche Kursgewinne fielen daher beim Kauf bis Ende 2008 nicht unter die Abgeltungsteuer. Der Anleger kann seine Anteile steuerfrei veräußern oder den Bestandsschutz an die Nachkommen vererben.
Dieser Umweg funktioniert bei Performance-Indizes wie dem Dax, bei denen Dividenden und Zinsen dem Kursstand zugeschlagen werden. Auch wer erst 2009 kauft, muss die im Swap einberechneten Kapitalerträge nicht jedes Jahr versteuern, sondern erst beim späteren Verkauf. Das bringt über die Stundung zumindest einen Zinseszinseffekt. Allerdings gelingt es nicht immer, steuerfrei zu bleiben. Das Jahressteuergesetz 2009 verschärft die Bedingungen für Rentenfonds, die gezielt das Privileg des Bestandsschutzes auf Umwegen nutzen. Das gilt für steueroptimierte Produkte, die durch Kombination von Wertpapier- und Termingeschäften laufend Erträge erzielen, die dem Marktzins entsprechen. Damit können Renten-ETFs nicht wie zuvor geplant Zinserträge von allen Anlegern steuerfrei über Swaps parken. Auf solche thesaurierten Gewinne wird beim späteren Verkauf der Titel die Abgeltungsteuer fällig. Dies wirkt für alle nach dem 18. September 2008 georderten Anteile, sofern der Fonds zumindest die Hälfte seiner Einnahmen über solche Wertpapier- und Termingeschäfte erzielt. Für den Altbestand gibt es immerhin eine Übergangsregelung, die erst die ab dem Jahr 2011 realisierten Gewinne steuerpflichtig werden lässt. Die genaue Definition der steuerschädlichen Rentenfonds bedeutet aber im Gegenzug, dass Fonds unbehelligt bleiben, die Strukturen auf Aktien-, Immobilien oder Rohstoffindizes über Termingeschäfte nachbilden. Denn die wollen gerade keinen normalen Marktzins abbilden, sondern die Performance der zugrunde liegenden Asset-Klasse.

Steuerliche Sonderwege bei ETFs

 
Auslands-ETF in der Steuererklärung deklarieren


  Sofern die Steuerfreiheit nicht oder nur zum Teil gelingt, müssen sich ETF-Anleger auf steuerliche Mehrarbeit einstellen, wenn die Fondsgesellschaft jenseits der Grenze sitzt. Das lässt sich daran erkennen, dass deren Wertpapierkennung statt mit DE mit LU beginnt. In diesem Fall müssen sich die Fondssparer ab 2009 weiterhin um die Ermittlung ihrer steuerpflichtigen Kapitaleinnahmen kümmern, auch wenn die Anteile in einem heimischen Depot liegen. Sie müssen die laufenden Dividenden- und Zinserträge auch dann einmal jährlich versteuern, wenn der Fonds sie immer wieder reinvestiert. Während Inlandsfonds hierauf automatisch Abgeltungsteuer einbehalten, macht das der Auslands-ETF nicht. Hier muss der Anleger die Kapitaleinnahmen in der Steuererklärung deklarieren, und das Finanzamt erhebt die 25-prozentige Abgabe nach.

 
Kein Bestandsschutz mehr auf Kursgewinne


  Bei nach 2008 erworbenen Fonds gibt es keinen Bestandsschutz mehr auf Kursgewinne, sie unterliegen unabhängig von Haltefristen der Abgeltungsteuer. Dabei kann aber nicht einfach wie bei Aktien die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs genommen werden. Das würde viel zu teuer, denn in die Kurse fließen die thesaurierten Erträge ein, die bereits jährlich versteuert worden sind. Das ist bei heimischen Fonds wenig problematisch - die müssen die notwendigen Daten veröffentlichen. Anders sieht es bei vielen Auslandsfonds aus. Hier muss der Sparer möglicherweise sogar die Jahresberichte der Fonds zur Hand nehmen, um dem Finanzamt die korrekten Erträge nennen zu können. Das wird besonders mühselig, wenn die Fondsanteile etwa über einen Sparplan zu verschiedenen Zeiten erworben wurden. Hier ist die Korrekturrechnung dann faktisch für jede Anschaffung separat vorzunehmen, selbst wenn alle Anteile auf einen Schlag abgestoßen werden.

von Robert Kracht
FTD.de, 11.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

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