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Topmanager scheuen Aktien

Europas Unternehmensinsider trauen sich kaum noch an Aktien heran. Das bedeutet wenig Positives für die Börsen - denn die Manager haben einen tiefen Einblick in die Bücher ihrer Unternehmen.

In den vergangenen drei Monaten kauften Topmanager, Aufsichtsräte, Großaktionäre und ihre Angehörigen für gerade einmal 571 Mio. Euro Aktien ihrer Unternehmen. Im vergangenen Jahr hatten sie jedes Quartal im Schnitt noch Titel für 3,7 Mrd. Euro geordert, zeigt eine Auswertung des Frankfurter Analysehauses 2iQ Research für die FTD.
Die Zurückhaltung der Topmanager unterstreicht, dass die Insider nach der Rally der vergangenen Monate eine Verschnaufpause am Aktienmarkt erwarten. Von Anfang März bis Mitte Juni hatte der europäische Stoxx 50 um mehr als ein Drittel zugelegt. Seither tendiert der Markt unter starken Schwankungen seitwärts.
Der von 2iQ Research berechnete FTD-Insiderindex, der das Zutrauen der Führungskräfte in die eigenen Aktien misst, war auf dem Höhepunkt der Erholungsrally Anfang Juni zum ersten Mal seit zwei Jahren deutlich unter 50 Punkte gefallen. Zuletzt legte das Barometer wieder leicht zu, am Freitag notierte es bei 71,1 Punkten.
Der Index ist aber noch weit entfernt vom Höchststand bei 100 Punkten. Dieser wird erst erreicht, wenn das Verhältnis von Insiderkäufen zu -verkäufen, die sogenannte Buy-Sell-Ratio, ein Dreijahreshoch erreicht. "Das deutliche Absinken des Index in den vergangenen Wochen spricht noch nicht für fallende Kurse, signalisiert aber, dass die Insider vorsichtiger geworden sind", sagt 2iQ-Geschäftsführer Patrick Hable.
Die Aktiengeschäfte der Führungskräfte gelten als guter Indikator für die künftige Kursentwicklung, weil diese tiefe Einblicke in die Bücher ihrer Unternehmen haben. Sie sollten daher recht gut abschätzen können, ob die Aktien ihrer Arbeitgeber an der Börse über- oder unterbewertet sind. Die Unternehmen müssen diese Transaktionen binnen wenigen Tagen den Aufsichtsbehörden melden. 2iQ Research wertet die Daten europaweit aus.
Gegen eine scharfe Kurskorrektur spricht nicht nur der recht stabile FTD-Insiderindex, sondern auch die Tatsache, dass die Topmanager an ihren Aktieninvestments festhalten. Im zweiten Quartal stießen sie europaweit nur Titel für insgesamt 1,3 Mrd. Euro ab. Im vergangenen Jahr hatten sie je Quartal im Schnitt noch 2,2 Mrd. Euro erlöst.
Auf der anderen Seite liegt die Buy-Sell-Ratio derzeit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, schließlich gibt es kaum nennenswerte Käufe. Im Juni betrug die Buy-Sell-Ratio bloß 0,4 - so klein war sie in den vergangenen beiden Jahren nie gewesen. 2008 lag das Verhältnis im Schnitt noch bei 2,1, die Insider hatten also mehr als doppelt so viel Geld für Aktienkäufe ausgegeben wie bei -verkäufen erlöst. Dass der FTD-Insiderindex trotzdem nicht wesentlich niedriger notiert, ist seiner Methodik geschuldet. Bei der Berechnung kappt 2iQ Transaktionen bei 100.000 Euro, um Ausreißer zu vermeiden. "Oft verzerren einzelne große Käufe oder Verkäufe das Bild", sagt Hable. "Die reine Betrachtung der Buy-Sell-Ratio führt leicht in die Irre."

Optimisten
Die zuversichtlichsten Topmanager sind in Griechenland, Österreich und Norwegen zu finden. In Irland dagegen wagen es derzeit die wenigsten Insider, sich Aktien ihrer Arbeitgeber ins Depot zu legen. Auch bei den Branchen gibt es Unterschiede: Topmanager von Versorgern sind zurzeit recht optimistisch. Führungskräfte aus Industrieunternehmen dagegen meinen offensichtlich, dass die jüngste Rally ihrer Aktien ein Ende gefunden hat. Auch Manager von Konsumgüterherstellern sind vergleichsweise pessimistisch.
 
Gewinner
Mark Andrew Williams, seit September an der Premiere-Spitze, legte sich Anfang April für 773.850 Euro Aktien des Bezahlsenders ins Depot. Inzwischen sind die Titel mehr als doppelt so viel wert. Europaweit schafften im zweiten Quartal 18 Manager mit ihren Aktienkäufen ein Plus von über 40 Prozent.

Topmanager scheuen Aktien


 
Verlierer
Besonders hart traf es im zweiten Quartal Walter Burani: Der Italiener sitzt der Modefirma Mariella Burani und dem Umweltkonzern Greenvision Ambiente vor. Mit beiden Aktien taucht er auf der Liste der größten Verlierer weit oben auf.

In den USA agierten die Führungskräfte zuletzt deutlich aggressiver als in Europa. Mitte Juni war die Zahl der US-Unternehmen mit Nettoverkäufen von Insidern fast neunmal so hoch wie die der Firmen mit Nettokäufen. In der ersten Woche der Rally im März lag das Verhältnis noch bei eins zu eins, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg vor Kurzem aus einer Analyse von Insiderscore. Ben Silverman, Direktor dieses US-Datendienstleisters, sagte, dies sei das stärkste Verkaufsverhalten von Insidern, das er in den vergangenen beiden Jahren beobachtet habe.
"Sie versuchen, ein wenig Geld mitzunehmen, denn sie sind der Ansicht, dass die Rally zu Ende gehen wird", so Silverman. Ähnlich äußerte sich gegenüber Bloomberg auch Joseph Keating, der Chefanlagestratege der Royal Bank of Canada in Raleigh, North Carolina. "Wenn Insider in die Rally hinein verkaufen, zeigt das, dass sie nicht erwarten, dass ihr Geschäft die gegenwärtigen Aktienkursniveaus tragen wird", sagte er.
Hable will die jüngsten Verkäufe in den USA allerdings nicht überbewertet wissen: "Insider sind antizyklische Investoren - sie kaufen, wenn die Kurse gefallen sind. Darum verwundert es nicht, dass sie nach der Rally der letzten Wochen Gewinne realisieren."
Mit ihrer antizyklischen Anlagestrategie lagen die Topmanager im vergangenen Jahr lange Zeit daneben. Die meisten hatten viel zu früh auf eine Kurserholung spekuliert. Nur im April und im August erteilten die Insider mehr Verkauf- als Kauforders. In allen anderen Monaten überstieg das Kaufvolumen das Verkaufvolumen deutlich. Deshalb bezweifelten immer mehr Investoren, dass die Insidertransaktionen wirklich aussagekräftig sind. Eine im Juni vorgelegte 2iQ-Analyse zeigt jedoch, dass die Wertpapiergeschäfte der Topmanager nach wie vor einen Blick wert sind. Der Auswertung zufolge entwickeln sich Aktien, bei denen Vorstandsmitglieder zugegriffen haben, in den Wochen und Monaten nach der Kauforder meist deutlich besser als der Vergleichsindex.
Für die Analyse hat 2iQ Research alle Insidertransaktionen bei deutschen Aktien zwischen Juli 2002 und Dezember 2008 ausgewertet. In den vier Wochen, nachdem ein Vorstandsmitglied Aktien geordert hat, schlug das Papier den breiten Markt im Schnitt um 1,3 Prozent. Nach zwölf Monaten betrug der Vorsprung sogar 5,7 Prozent. Als Vergleichsindex diente der CDax, der alle an der Frankfurter Wertpapierbörse im General und Prime Standard notierten Aktien enthält.
Bei großen Verkäufen sollten Anleger ebenfalls aufhorchen: Die Aktie hinkt dem Markt in den Monaten danach oft deutlich hinterher. "Wenn ein Vorstand allerdings nur ein kleines Aktienpaket abstößt, hat das meist keine Aussagekraft", sagt Hable. Solche Verkäufe würden meist keine Skepsis gegenüber der weiteren Kursentwicklung signalisieren, sondern dienten nur dazu, größere Anschaffungen zu finanzieren oder das eigene Portfolio besser zu diversifizieren.

Von Bernd Mikosch
aus der FTD vom 06.07.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

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