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Die 100-Tage-Bilanz der Börsen-Rallye

Der Aufschwung an den Aktienmärkten begann am 9. März. Zeit für ein Resümee der ersten 100 Tage: Wer hat besonders profitiert? Welche Branchen blieben zurück? Und wie anfällig ist der Markt nach 40 Prozent Anstieg für Rückschläge?

Angela Merkel hatte sie, Barack Obama auch. 100 Tage werden neuen Amtsinhabern oder Regierungen gewöhnlich zugestanden, um sich in ihrer neuen Situation zurechtzufinden. Anschließend wird ein erstes Zwischenresümee gezogen, die sogenannte 100-Tage-Bilanz. Am Mittwoch sind auch die 100 ersten Tage der erstaunlichen Rallye im Deutschen Aktienindex vorüber, die am 9. März begann. Zeit für eine Bilanz des Dax-Aufschwungs - und für einen Blick auf die weiteren Perspektiven.
Die Rallye mutet an wie ein Ereignis aus einer anderen Welt: 40 Prozent hat der Dax in der Spitze seit März zugelegt, und das während der schlimmsten Rezession seit 80 Jahren, mit entsprechend desaströsen Nachrichten von Konjunktur und Unternehmen. Die Prognose für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland liegt für dieses Jahr bei minus 6,2 Prozent. Großbetriebe wie Opel, Heidelberger Druck oder König und Bauer rufen beim Staat um Hilfe, der Autobauer General Motors und der Karstadt-Konzern Arcandor gehen in die Insolvenz. Und auch jenseits der großen Namen geht der Pleitegeier um: Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet für dieses Jahr mit einer Zunahme der Firmenpleiten um 19,5 Prozent auf 35 000. Wie passt das zum Börsenaufschwung?

"Es regiert das Prinzip Hoffnung. Der 9. März war ein Wendepunkt, ab dem Investoren plötzlich eine bis dahin ignorierte Perspektive entdeckten", sagt Markus Zschaber von der Vermögensverwaltung V.M.Z. "Auf einmal wurden die milliardenschweren Liquiditätsmaßnahmen der Notenbanken sowie die Konjunkturpakete als Maßnahmen interpretiert, die zum Ende der Rezession führen würden."
Vom Aufschwung an den Börsen profitiert hat allerdings keineswegs der breite Markt. Zschaber spricht von einer "Beta-Rallye", bei der vor allem Werte zugelegt hätten, die in den Monaten zuvor auf dem Weg nach unten besonders hart abgestraft worden seien. "Das waren die Finanzwerte sowie zyklische Aktien", so Zschaber. Kursgewinne im dreistelligen Prozentbereich gelangen denn auch Werten wie der Deutschen sowie der Commerzbank, aber auch Salzgitter, K+S oder MAN konnten noch beachtliche Zuwächse verzeichnen.
"Branchen wie Telekom, Pharma oder Versorger, die im vorhergehenden Abschwung relativ gut gelaufen waren, blieben dagegen in der Aufwärtsbewegung zurück", analysiert Adrian Cattley von der Citigroup. Bestes Beispiel: die Deutsche Telekom, die seither 13 Prozent verlor und nahe ihrem Allzeittief notiert. "Verstärkt wurde dieser Effekt dadurch, dass viele Investoren ihre Bestände in diesen defensiven Sektoren abbauten, um vom Aufschwung der zuvor heruntergeprügelten Finanzaktien und Zykliker zu profitieren", so Cattley.
Diese Aufholbewegung scheint allerdings abgeschlossen - und damit auch die "Beta-Rallye": Der Dax pendelt seit Wochen in einer Spanne zwischen 4900 und 5150 Punkten. "Die Bewertungen der Sektoren, die die Rallye getragen haben, sind nun dem Marktniveau angepasst", sagt Vermögensverwalter Zschaber, der deshalb kurzfristig auch für den Gesamtmarkt keine weiteren Impulse sieht.
Ins Blickfeld der Investoren dürfte laut Zschaber nun zunehmend die Sorge rücken, ob es den Notenbanken bei tatsächlicher Stabilisierung der Konjunktur gelingt, die in den Markt gepumpte Liquidität wieder abzuschöpfen.

Die 100-Tage-Bilanz der Börsen-Rallye

 

Ein Muss, um Inflation zu begrenzen. "Bei ersten Anzeichen davon werden das die Anleger antizipieren - und die Märkte die Gegenrichtung einschlagen", glaubt der V.M.Z.-Experte. "Dann rücken die Fundamentaldaten wieder in den Fokus der Investoren, und die machen alles andere als einen positiven Gesamteindruck." Eine Aufhellung der Lage mit dann wieder steigenden Kursen erwartet Zschaber erst wieder für den Herbst.
Auch Hendrik Leber von Acatis Investment hält die Krise längst nicht für ausgestanden. Er differenziert dabei aber zwischen den USA und Europa. "Historisch gesehen hat noch jede Krise zu Marktbewertungen geführt, die unter denen vor dem Entstehen der Blase lagen. Amerika hat diesen Weg erst zur Hälfte zurückgelegt", so Leber. Den Aufschwung in Europa sieht er positiver und empfiehlt ein Engagement mit angezogener Handbremse. "Wer investiert, muss sich absichern, auch wenn das auf Kosten der Performance geht."
Sicher ist es möglich, dass der Markt aufgrund der verfügbaren Liquidität und des Mangels an Anlagealternativen noch weiter steigt. Viele institutionelle Investoren waren von der Trendwende im März derart überrascht, dass sie den steigenden Kursen hinterherlaufen mussten, um am Ende des Jahres nicht zu stark hinter den Indices zurückzubleiben, an denen sie sich messen lassen müssen. Doch auch wenn weitverbreitete Skepsis die Märkte in der Regel vor größeren Rückschlägen bewahrt: In den aktuellen Kursen sind bereits viele Erwartungen eingepreist, die sich erst noch erfüllen müssen.
Insbesondere im Bankensektor sitzen manche Marktteilnehmer nach der beispiellosen Rallye auf ansehnlichen Gewinnen, die bei einem Stimmungsumschwung schnell dahinschmelzen könnten. Um sich gegen Rückschläge zu wappnen, könnte es sich also anbieten, auf defensivere Aktien umzuschwenken. "Viele Werte aus den Branchen Telekom, Pharma oder Versorger, die noch im März relativ hoch bewertet waren, sind jetzt einfach nur billig", sagt Citi-Analyst Cattley. Aktien von Unternehmen wie Telefónica, Sanofi-Aventis, Glaxo Smithcline, E.on oder Enel seien durch ihre Bewertung nach unten relativ gut abgesichert.
Nicht jeder Anleger aber mag sein Depot umschichten. Viele haben mit Blick auf den Beginn der Abgeltungsteuer noch vor Jahresende 2008 ihr Portfolio neu bestückt. Wer dabei mit seiner Auswahl ein glückliches Händchen hatte, muss nicht der Versuchung nachgeben, Gewinne mitzunehmen und damit den langfristigen Steuervorteil der Investments aufzugeben. Ausgewählte Produkte, die von fallenden Kursen profitieren, können bei Rückschlägen helfen, Teile der Performance des Gesamtdepots zu sichern.

14. Juni 2009
Von Michael Höfling
WELT ONLINE

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