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Anleihen

EZB macht 10 bis 50 Mrd. Euro für Staatsanleihen locker

Die europäischen Notenbanken machen ernst. Zur Stützung der Gemeinschaftswährung erwerben sie erstmals in ihrer Geschichte Bonds. Über den genauen Betrag wird gerätselt. Am Markt kursieren erste konkrete Zahlen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Händlern zufolge diese Woche Staatsanleihen im Volumen zwischen 10 Mrd. Euro und 50 Mrd. Euro gekauft. Präzise Zahlen erhoffen sie sich von einer am kommenden Dienstag anstehenden Statistik der Zentralbank.
In einem historischen Schritt hatte die EZB Anfang der Woche verkündet, Staatsanleihen aufzukaufen, um die Euro-Zone zu stabilisieren. Bereits am 10. Mai legten die nationalen Notenbanken mit den Käufen los, ohne aber Details zum Umfang und Zeitraum des Programms zu nennen. Ebenfalls unklar ist, in welchen Ländern die Notenbanken aktiv wurden. Anhaltspunkte gibt es immerhin zur Exit-Strategie: Laut EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark wird die Zentralbank die Papiere bis zum Ende ihrer Laufzeit halten. Nach Angaben der Primärhändler hat die EZB ihr Engagement bei spanischen und italienischen Anleihen zurückgefahren. "Die nationalen Notenbanken kaufen weniger Staatsanleihen dieser beider Länder", sagte Sander Schol, Direktor der Association for Financial Markets (AFME). "Das könnte bedeuten, dass die Notenbanken davon ausgehen, dass sich die Situation in Spanien und Italien etwas entspannt hat. Sie fokussieren sich jetzt offenbar." Die AFME vertritt die Interessen der Banken und Primärhändler. Eine EZB-Sprecherin lehnte einen Kommentar ab.
Offenbar spielte die AFME eine wichtige Rolle dabei, die EZB zu den Staatsanleihenkäufen zu bewegen. Am 5. und 6. Mai habe die Organisation die Schuldenagenturen der Euro-Zone über einen Käuferstreik bei griechischen, portugiesischen, spanischen, irischen und italienischen Bonds informiert. Am 7. Mai habe Schol zusammen mit einem Kollegen mit Vertretern der EU-Kommission und der EZB telefoniert.
"Wir machten ihnen klar, dass eine Intervention notwendig war", sagte Schol. "Aus unserer Sicht gab es keine Käufer mehr. Wir vertraten die Meinung, dass ein Einschreiten der Notenbanken Vertrauen und eine Preisuntergrenze schaffen würde." Am 10. Mai um 3.15 Uhr MESZ gab die EZB schließlich den Aufkauf von Staatsanleihen bekannt. Bis jetzt sei das Programm ein Erfolg: "Das Stresslevel nahm ab. Das Umfeld hat sich verbessert", sagte Schol.
Markteilnehmer halten es für unwahrscheinlich, dass die EZB Details zu den Staatsanleihenkäufen bekannt geben wird. Im Gegensatz zum Aufkauf von besicherten Anleihen ("Covered Bonds"), bei denen die Zentralbank das Volumen auf 60 Mrd. Euro und die Laufzeit auf ein Jahr begrenzte, würde der Erwerb von Staatsanleihen wie Interventionen auf dem Devisenmarkt gehandhabt, vermutet Guillaume Menuet, Volkswirt bei Bank of America Merrill Lynch: "Die EZB will den Markt im Unklaren und rätseln lassen."

EZB macht 10 bis 50 Mrd. Euro für Staatsanleihen locker

Die EZB werde "situationsgebunden agieren", sagte Michael Schubert, Geldpolitik-Experte der Commerzbank. Sie werde sich auf keinen festen Rahmen festlegen. "Man wird auf die Entwicklung der Risikoaufschläge bei den Staatsanleihen der Problemländer achten und daran die Kaufstrategie ausrichten." Er beziffert den Gesamtumfang des Programms auf 100 bis maximal 600 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die US-Notenbank Fed hatte 300 Mrd. $ an Treasuries, die Bank of England 200 Mrd. Pfund an Gilts erworben.
Auskunft wird die Zentralbank aber über die "Sterilisierung" geben. Um eine Ausweitung der Geldmenge zu verhindern und die Teuerungsgefahr einzudämmen, sollen die Staatsanleihenkäufe sterilisiert werden. EZB-Ratsmitglied José Manuel Gonzalez-Paramo kündigte an, dass sich die Notenbank in der kommenden Woche dazu äußern werde.
EZB-Ratsmitglieder bemühen sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen und von der Anti-Inflationshaltung der Zentralbank zu überzeugen. "Die Neutralisierung wird in naher Zukunft bekanntgegeben und umgesetzt", kündigte der Präsident der portugiesischen Notenbank und designierte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Freitag an. Es gebe mehrere Instrumente, die Liquidität abzuschöpfen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet kündigte im Gespräch mit dem "Handelsblatt" an, das in den Markt gegebene Geld hauptsächlich durch die Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen abzuziehen.
Commerzbank-Experte Schubert sieht die EZB beim Absaugen der Liquidität nicht unter Zeitdruck: "Sie kann eigentlich taktisch abwarten." Denn am 1. Juli stehe die Rückzahlung des Jahrestenders an, bei dem sich die Finanzinstitute Mitte 2009 insgesamt 442 Mrd. Euro bei der EZB zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent geliehen hatten.
Theoretisch hat die Zentralbank fünf Instrumente zur Verfügung. Um Liquidität abzuschöpfen, kann sie Reverse-Repo-Geschäfte tätigen, bei denen sie Wertpapiere verleiht, um sie später zurückzukaufen. Sie kann Wertpapiere aus ihrem Bestand verkaufen oder Währungsswaps durchführen. Zudem kann sie selbst Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr begeben. Ebenfalls denkbar sind Einlagen ("Term deposits") für Geschäftsbanken, die ihre Liquidität bei der Zentralbank parken können.

Von Tobias Bayer, Frankfurt
14.05.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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