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Anleihen

Goodbye Griechenland

45 Mrd. Euro stellen EU und IWF bereit. Doch die Griechen wollen die Krise aus eigener Kraft bewältigen. Das ist inzwischen ausgeschlossen: Damit nicht weitere Länder in den Abgrund gerissen werden, muss Athen die Hilfen annehmen - sofort.
Das Spiel ist aus. Am Donnerstag kletterte der Zins für zwei-jährige hellenische Anleihen auf über zehn Prozent. Das ist ein absurdes Niveau. Indonesien zahlt für zehnjährige Papiere nur 8,6 Prozent, die Philippinen kommen für 25-jährige Bonds auf rund neun Prozent. Die Refinanzierung ist dermaßen teuer, dass Athen keine Wahl bleibt: Vor dem Wochenende oder besser noch sofort müssen die Griechen die 45 Mrd. Euro großen Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) annehmen.
Einen Ausweg gibt es nicht. Bis zum 20. Mai müssen die Griechen Anleihen im Umfang von 8,1 Mrd. Euro refinanzieren, bis Ende des Monats fallen weitere 355 Mio. Euro an. Zu den aktuellen Sätzen wäre das ruinös. Das Paket von EU und IWF würde bis gut ins Jahr 2011 reichen - und erst einmal für Ruhe sorgen. Die Regierung um Ministerpräsident Giorgios Papandreou hätte Zeit gewonnen, um die Reformen durchzuführen. Außerdem wären andere Euro-Länder aus der Schusslinie. Das wäre dringend geboten. Denn: Mit jedem weiteren Tag, an dem sich Griechenland und Brüssel in Verbalakrobatik üben, steigen die Spannungen für Portugal, Spanien und Irland. Am Donnerstag herrschte nach der Veröffentlichung der Schuldenstatistik von Eurostat regelrecht Panik. Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) Portugals weiteten sich um 33 auf 261 Basispunkte aus. Bei Spanien kletterten die CDS-Papiere um 13 auf 172 Basispunkte. Und bei Irland schossen sie um 22 auf 173 Basispunkte nach oben. Das bedeutet: Um 10 Mio. Euro an irischen Anleihen zu besichern, wird eine Versicherungsprämie von 173.000 Euro jährlich fällig.
Die Stimmung ist so aufgeheizt, dass Investoren schon über Umschuldungen nachdenken. Goldman-Sachs-Volkswirt Erik Nielsen hält freiwillige Restrukturierungen für wahrscheinlich, andere schließen sogar einen erzwungenen Abschlag für Gläubiger nicht aus.

Goodbye Griechenland

Das käme einer technischen Pleite gleich und würde, so die Berechnung von Peter Chatwell von Crédit Agricole, CDS-Zahlungen in Höhe von 8,3 Mrd. $ auslösen. Abwegig oder nicht: Die Gedankenspiele zeigen, dass Griechenland auf kein Vertrauen hoffen kann - und mit sich andere Länder in den Abgrund reißen könnte.
Die Annahmen der Hilfen sind nur der erste Schritt. Die langfristigen Probleme sind dadurch nicht gelöst. "Wenn sich die Finanzen des Staates nicht enorm verbessern, dann wird Griechenland über die kommenden drei Jahre mehr Geld brauchen, als es IWF und EU vorgesehen haben", schreibt David Watts, Experte beim Researchhaus Creditsights. "Das Land wird zum Spielball von heimischen und internationalen Investoren."
Watts hält es für zweifelhaft, ob Anleger bis 2013 Vertrauen fassen. "Die Schuldenquote wird 2013 fast sicher höher sein als 2009. Und hinter der Ankündigung Griechenlands, die Defizite zu verringern, steht angesichts der politischen Situation ein großes Fragezeichen", so Watts. "Enttäuschende Konjunkturdaten und Kapitalflucht könnten die Zuversicht der Anleger in das Land und seine Wirtschaftskraft unterminieren."
Also: Die Uhr für Griechenland tickt. Es muss die Milliarden annehmen.
 
Von Tobias Bayer und André Kühnlenz,  Frankfurt
22.04.2010
© 2010 Financial Times Deutschland

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