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Goldanleihen verlieren Vorteil

Wenn die Finanzverwaltung den Anbietern von Investmentprodukten ans Schienbein tritt, passiert das meist über unscheinbare Vermerke. So geschehen in einem internen Arbeitspapier aus dem Bundesfinanzministerium, das der FTD vorliegt. Darin feilen die Beamten am Anwendungserlass zur Abgeltungsteuer, die seit Jahresbeginn Kapitalerträge schmälert. In Randnummer 46 heißt es: "Werden Inhaberschuldverschreibungen veräußert, die einen Lieferanspruch auf Gold oder einen anderen Rohstoff verbriefen und durch Gold oder einen anderen Rohstoff in physischer Form gedeckt sind, sind die Einnahmen Einkünfte im Sinne des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nummer 7 EStG.

Zu Deutsch: Goldanleihen fallen unter die Abgeltungsteuer. Damit klärt der Fiskus endlich die Frage, wie die beliebten Papiere denn zu versteuern sind. Und die Antwort fällt anders aus, als Anleger und Anbieter es sich erhofft hatten.

Physisch hinterlegte Goldanleihen wie Xetra-Gold oder Gold Bullion Securities haben in den vergangenen Monaten einen wahren Run erlebt - aus gutem Grund. Das Edelmetall erlebte eine Renaissance, weil es als Inflationsschutz gilt und selbst einen Kollaps des Finanzsystems überleben würde.

Problemlos über die Börse handelbar, sind die Goldpapiere eine bequeme Alternative zu Münzen oder Barren. Die Anbieter kaufen für das Geld der Anleger Goldbarren, dem Investment steht also ein echter Wert gegenüber. Eine Pleite des Emittenten müssen Sparer nicht fürchten - im Fall der Fälle haben sie Durchgriff auf die Tresorbestände oder zumindest ein Recht auf Auslieferung des Golds. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Zertifikaten, die die Preisentwicklung des Edelmetalls zwar ebenfalls nachvollziehen, bei Insolvenz des Anbieters aber quasi wertlos verfallen.

Dazu kam - scheinbar - ein weiterer Vorteil: Gewinne sollten anders als bei Zertifikaten nach einem Jahr steuerfrei sein. "Die Emittentin ist dahingehend beraten worden, dass die Einlösung der Schuldverschreibungen eine ertragsteuerlich unbeachtliche Geltendmachung eines Erfüllungsanspruchs darstellt", heißt es verschwurbelt im Xetra-Gold-Prospekt der Deutsche Börse Commodities. Es handle sich gar nicht um ein Wertpapier, sondern um einen verbrieften Lieferanspruch, so die Argumentation.

Damit wären sie so gestellt wie Anleger, die direkt zu Goldbarren greifen. Der phyische Kauf gilt als privates Veräußerungsgeschäft: Erträge sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Wer vorher verkauft, versteuert Gewinne mit dem persönlichen Steuersatz.Dieser Einschätzung haben die Beamten im Finanzministerium jetzt widersprochen. Bis zur Veröffentlichung des Anwendungserlasses können noch Monate vergehen, verbindlich ist ihre Ansage deshalb noch nicht. Doch dass der Fiskus seine Meinung auf den letzten Metern noch ändert, darf als sehr unwahrscheinlich gelten.

Goldanleihen verlieren Vorteil

"Nach derzeitigem Stand unterliegt Xetra-Gold nicht der Abgeltungsteuer", sagt Martina Gruber, Geschäftsführerin der Deutsche Börse Commodities. Geplante Änderungen seien ihr nicht bekannt. "Derzeit herrscht mit Blick auf die Steuerregeln große Verwirrung", sagt Tim Harvey, Europa-Vertriebschef beim Gold-Bullion-Emittenten ETF Securities. "Darum begrüßen wir jede Klarstellung."

Nach wie vor Rätsel geben dagegen die Schweizer Fonds auf, die Goldbarren horten. Ein dreiseitiges Schreiben zur "steuerlichen Behandlung einer Fondsbeteiligung für deutsche Anleger", das Julius Bär Interessenten an die Hand gibt, wirft genauso viele Fragen auf, wie es beantwortet.

Der Julius Bär Physical Gold und der ZKB Gold ETF sind in Deutschland zwar nicht zum Vertrieb zugelassen, denn Fonds nach deutschem Recht dürfen höchstens 30 Prozent ihres Vermögens in das Edelmetall investieren. An der Börse lassen sich die Anteile aber problemlos handeln.

Experten halten zwei Lösungswege für denkbar, auf die auch die Emissionsprospekte der Anbieter hindeuten. Es könnte sich um sogenannte intransparente Investmentfonds handeln, die unabhängig vom tatsächlichen Ertrag pauschal mit hohen Steuern belegt werden. Dann wäre ein Investment völlig unattraktiv, da Abgaben selbst bei Verlusten anfallen würden. Die Alternativlösung sieht eine Regelung wie bei vermögensverwaltenden Beteiligungsmodellen vor. Bei diesen geschlossenen Fonds ist der einzelne Anleger jeweils anteilig direkt am Goldvermögen des Fonds beteiligt. Dann würde er wie ein Investor behandelt werden, der direkt in das Edelmetallinvestiert - und die Abgeltungsteuer wäre kein Thema. Ob diese Hoffnung auf Steuerfreiheit im Nachhinein aufgeht, ist allerdings alles andere als ausgemacht.

von Robert Kracht und Bernd Mikosch

Aus der FTD vom 29.07.2009

© 2009 Financial Times Deutschland

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