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Anleihen

Fiskus peppt Renten-Rendite auf

Rentenpapiere gehören zu den Gewinnern der Abgeltungsteuer: Die Zinsen unterliegen seit Januar nicht mehr dem individuellen Steuersatz, sondern nur noch moderaten 25 Prozent.

Anleihen ausgewählter Länder bieten weitere Vorzüge. Für sie wird eine fiktive Quellensteuer von bis zu 20 Prozent angerechnet. Die Auslandsabgabe mindert die Abgeltungsteuer, obwohl sie überhaupt nicht anfällt.
So kommt es, dass selbst vermögende Anleger seit diesem Jahr Zinsen je nach Staat nur mit 5 bis 15 Prozent versteuern müssen - so gering wie noch nie. Die Verrechnung übernehmen die Banken, indem sie nur den verminderten Satz an den Fiskus und den gesamten Rest an die Kunden überweisen.
Das Steuersparmodell basiert auf Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und den jeweiligen Ländern. Die Zinsen gelten als Kapitaleinnahmen, auf die ganz normal Abgeltungsteuer anfällt. Hiervon wird jedoch ein Fiktivbetrag abgezogen, mit dem der Sparer überhaupt nicht belastet worden ist. Das Modell ist als Form der Entwicklungshilfe gedacht, gilt aber selbst für EU-Länder wie Portugal, Zypern und Griechenland.
Solche Anleihen mit fiktiver Quellensteuer gibt es aus Ländern mit eher schlechter Bonität wie Bolivien, Tunesien, der Türkei oder Uruguay sowie aus Staaten mit gutem Rating wie Israel oder China. Die unterschiedliche Schuldnerbonität spiegelt sich in der jährlichen Rendite: Zehnjährige Papiere aus Uruguay bieten derzeit 8,2 Prozent, solche aus Portugal nur 4,5 Prozent.
Die Bonds notieren in Euro an deutschen Börsen, es besteht also kein Währungsrisiko. Früher priesen Banken vor allem Anleihen aus Argentinien mit hohem Kupon und 15 Prozent Quellensteuer offensiv an. Nachdem Argentinien Anfang 2002 seine Schulden nicht bediente und deutsche Anleger herbe Verluste verbuchen mussten, halten sich die Institute zurück. Obwohl sie sonst gern mit Steuervorzügen werben, offerieren sie die privilegierten Rententitel inzwischen nur noch auf Nachfrage.
Als Favorit deutscher Anleger galten lange Zeit Anleihen aus Brasilien, für die 20 Prozent auf üppige Zinskupons angerechnet wurden. Da die Bundesregierung das DBA jedoch kündigte, ist es seit 2007 vorbei mit dem fiktiven Steuerabzug.

Fiskus peppt Renten-Rendite auf

Auch die Förderung für Venezuela, Vietnam und Indien wurde gestrichen. Das Finanzministerium hat angekündigt, weitere DBA zu überprüfen - die Anrechnung könnte also für weitere Länder kippen. Das muss Anleger aber nicht abhalten, denn solche Änderungen werden vorher angekündigt. Die Papiere lassen sich dann noch rechtzeitig abstoßen - und das Steuerprivileg auf ausgezahlte Zinsen ist gerettet.
Anleger sollten vor der Order allerdings auf Besonderheiten für einige Staaten achten, damit die Anrechnung nicht schon von vornherein misslingt. So gibt es die Quellensteuer in Griechenland nur für Staatsanleihen, die vor 1997 emittiert wurden. Bonds aus Hongkong, Macau und Taiwan fallen nicht unter das DBA mit China. Und in Portugal sind nur auf Madeira emittierte Euro-Bonds begünstigt. Sofern die Titel auch für den portugiesischen Markt bestimmt sind, fällt eine echte Quellensteuer an. Für andere Länder, etwa Tunesien, die Türkei oder Argentinien, gibt es solche Einschränkungen nicht.
Für konservative Sparer gibt es noch eine eher unbekannte Alternative. Neben Anleihen aus Portugal ist auch Festgeld privilegiert, das auf Madeira deponiert wird. Nahezu alle inländischen Banken bieten solche Konten über eigene oder verbundene Institute ohne große Formalitäten an. Die Order über die heimische Filiale kostet zwar Spesen und bringt derzeit nicht gerade üppige Zinsen. Dafür wird das Investment aber mit dem 15-prozentigen Renditeplus durch die fiktive Quellensteuer belohnt.

Von Robert Kracht
aus der FTD vom 01.07.2009
© 2009 Financial Times Deutschland

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